Ärzte Zeitung, 11.09.2009

IQWiG stellt den Nutzen von Memantine infrage

KÖLN (mut). Wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mitteilt, hat es in seinem aktuellen Abschlussbericht keine wissenschaftlichen Belege dafür gefunden, dass Patienten mit einer mittelschweren oder schweren Alzheimer-Demenz von Memantine (Axura®, Ebixa®) profitieren. Dies wird vom Memantine-Hersteller Merz scharf kritisiert. "Mit seiner rein statistischen Betrachtung hat das Institut den klinischen Nutzen sowie die Praxiserfahrung von Ärzten, Patienten und Angehörigen bewusst ignoriert und gefährdet damit die lückenlose Versorgung der Alzheimer-Patienten in Deutschland", so Dr. Martin Zügel, Sprecher der Geschäftsführung von Merz in einer Mitteilung.

Für seinen Bericht hat das IQWiG sieben Studien mit insgesamt 1913 Alzheimer-Kranken analysiert. Dabei fand das Institut zwar Unterschiede zugunsten von Memantine bei Kognition und alltagspraktischen Fähigkeiten, diese seien jedoch minimal gewesen. Ferner vermisste das IQWiG eine sogenannte Responder-Analyse. Dabei wird geprüft, ob es in der Memantine-Gruppe mehr Patienten spürbar besser ging als in der Placebo-Gruppe. Auch lieferten die Studien nach Ansicht des IQWiG keine Belege, dass Memantine die Angehörigen entlastet.

Dem hält Merz eine aktuelle Versorgungsanalyse der Barmer Krankenkasse mit mehr als 20 000 Alzheimer-Kranken entgegen. Diese hätte ergeben, dass die Gesamt-Behandlungskosten bei einer Therapie mit Memantine um 11 Prozent niedriger seien als ohne die Arznei. Im Vergleich zu einer Behandlung mit Psychopharmaka, Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln würden die Gesamtkosten sogar um 37 Prozent niedriger liegen, teilt das Unternehmen mit. Zudem sei die Wirksamkeit von Memantine in zahlreichen wissenschaftlichen Studien klar belegt; auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfehlen in ihren Leitlinien den langfristigen Einsatz von Memantine bei Alzheimer-Demenz.

Lesen Sie dazu auch:
Pharma-Unternehmen kritisieren IGWiG wegen Berichts zu Alzheimer-Therapie
IQWiG: Nutzen von Alzheimer-Wirkstoff unbelegt

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freizeitsportler gefährden ihre Herzgesundheit mit Doping

Fast jeder sechste Freizeitsportler nimmt inzwischen herzschädigende Arzneimittel zur Verbesserung von Fitness und Körperoptik. Vor allem der Anteil weiblicher User steigt. mehr »

Welche Bakterien mit uns U-Bahn fahren

In der Hongkonger U-Bahn sind morgens andere Keime zu finden als im abendlichen Berufsverkehr. Gefährlicher sind Metro-Linien mit höherem Verkehrsaufkommen aber wohl nicht, wie eine Studie ergeben hat. mehr »

Umsatzchancen von Hausärzten hängen stark von KV-Region ab

Niedrige Fallzahlen, aber teilweise auch niedrige Fallwerte: Hausärzte in Hamburg und Berlin haben es als Vertragsärzte nicht leicht. Ihre Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt erwirtschaften deutlich mehr. mehr »