Ärzte Zeitung online, 31.01.2013
 

Schreckgespenst Alzheimer

Lieber früh sterben als erkranken

Alzheimer bleibt eine unangenehme Vorstellung: Mehr als die Hälfte der Bundesbürger würde den Tod einer Alzheimererkrankung im Alter vorziehen. Je älter die Menschen sind, desto eher würden sie sich lieber den Tod wünschen.

Lieber früh sterben als erkranken

Krank im Alter - eine unangenehme Vorstellung.

© GranAngular/ imago

DÜSSELDORF. Alzheimer bleibt ein Schreckgespenst, und der Schrecken nimmt mit dem Alter zu. Die Menschen, die eher gelassen ihrem Schicksal im Alter entgegengehen, sind offenbar in der Minderheit.

Darauf deutet zumindest eine repräsentative Umfrage der Deutschen Krankenversicherung (DKV) bei knapp 2200 Personen unter 66 Jahren. Die Daten wurden für den DKV-Report "Wie gesund lebt Deutschland?" zwischen März und April 2012 erhoben.

Die Mehrheit - 53 Prozent der Bundesbürger - möchte danach lieber früher sterben als mit Alzheimer leben. Während bei den jungen Menschen unter 30 Jahren nur 47 Prozent angaben, mit Alzheimer nicht weiterleben zu wollen, sind es unter den über 45-Jährigen schon 59 Prozent.

Nur ein Viertel der Befragten möchte auch mit Alzheimer länger leben, heißt es in einer Mitteilung der DKV.

Schüren Medien einen Horror vor Alzheimer?

"Was wir in den Medien über Alzheimer hören, sind vor allem Horrorgeschichten über Menschen, denen ihre Persönlichkeit und Erinnerung abhanden kommt", sagt Professor Bernd Reuschenbach, Gerontologe und Pflegeforscher an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München.

"Diese Geschichten sind wahr, sie sind aber nur ein Teil der Wahrheit." Reuschenbach fordert einen entspannteren Umgang mit der Erkrankung.

"Alzheimerkranke, die eine gute Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte bekommen, können durchaus ein zufriedenes und oft auch glückliches Leben führen."

Studien hätten ergeben, dass etwa der Besuch eines nahestehenden Familienmitglieds einen Alzheimerpatienten immer noch glücklich mache, selbst wenn er den Angehörigen nicht mehr erkennen kann.

Wenn Pflegende und Angehörige die innere Welt der Dementen akzeptierten und versuchten zu verstehen, sei ein Austausch und Miteinander möglich, so Reuschenbach. Voraussetzung dafür sei aber eine gute Pflegesituation, in der sich Pflegende und Angehörige dem Erkrankten zuwenden können.

"Statt uns vor Alzheimer zu fürchten, sollten wir das Leben dieser Menschen so gut wie möglich gestalten und Angehörige und Pflegende mit ihren Problemen nicht allein lassen", sagt Reuschenbach.

Ein Viertel würde auch illegale Pflegekräfte engagieren

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Gut 25 Prozent der Bundesbürger können sich gut vorstellen, eine Pflegekraft illegal zu beschäftigen, damit ihre Angehörigen zuhause gepflegt werden können.

Die Skrupel verschwinden mit höherem Bildungsabschluss. Während 68 Prozent der Hauptschulabsolventen sich illegale Beschäftigung nicht vorstellen können, sind es bei Menschen mit Abitur nur noch 51 Prozent.

Immerhin fast 60 Prozent der Arbeitnehmer würden selbst anpacken und können sich vorstellen, zur Pflege ihrer Angehörigen im Job auszusetzen, teilt die DKV mit.

Frauen sind mit 62 Prozent etwas häufiger dazu bereit als Männer mit 55 Prozent. Überdurchschnittlich groß ist die Bereitschaft bei Menschen mit einem Haushaltseinkommen unter 1500 Euro (69 Prozent).

Nur etwa ein Viertel der Befragten kann sich nicht vorstellen, eine gewisse Zeit Job gegen Pflege zu tauschen. (mut)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Irrationale Demenz-Ängste

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