Ärzte Zeitung, 19.09.2014

Bei Parkinson-Kranken

Die Vorboten einer Demenz

Jeder vierte bis zweite Parkinson-Patient erkrankt an Demenz. Mithilfe von Krankheitsmerkmalen lässt sich eine Prognose stellen.

MONTREAL. Forscher aus Montreal fanden einige nicht motorische und "nicht dopaminerge" Faktoren heraus, die auf ein erhöhtes Demenzrisiko bei Parkinson hindeuten (Neurology 2014; online 29 August).

Studienteilnehmer waren 80 Patienten im mittleren Alter von 66 Jahren, bei denen sechs Jahre zuvor Morbus Parkinson diagnostiziert worden war.

27 von ihnen (34 Prozent) entwickelten während der Nachbeobachtungszeit von 4,5 Jahren eine Demenz. Sie waren deutlich älter (71 vs. 64 Jahre zu Studienbeginn) und häufiger männlich (81 Prozent vs. 55 Prozent) als die nicht dementen Patienten.

Eine enge Assoziation mit dem Demenzrisiko war außerdem bei einem starken orthostatischen Blutdruckabfall zu erkennen: Pro 10 mmHg, die der systolische Druck nach unten ging, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit für eine Demenz um 80 Prozent.

Die Regulationsstörung könnte nach Ansicht der Autoren ein Marker sein für einen "diffusen" Parkinson-Subtyp mit einer allgemeinen Degeneration, die auch das autonome Nervensystem und eben kortikale Regionen betreffe.

Vorstellbar ist aber auch eine kausale Rolle der orthostatischen Veränderungen: Durch eine zerebrale Minderdurchblutung können Untersuchungen zufolge Nervenschäden und Beta-Amyloid-Ablagerungen ausgelöst werden.

Gestörter REM-Schlaf ein Prädiktor

Gleich eine Verdreifachung des Demenzrisikos wurde bei Patienten festgestellt, bei denen das Farbensehen gestört war. Anang et al. vermuten einen Neuronenuntergang im posterioren Kortex als gemeinsame Ursache. Keine Korrelation bestand dagegen zwischen beeinträchtigtem Geruchssinn und Demenz.

Als eindrucksvoller Prädiktor erwies sich ein gestörter REM-Schlaf: Alle bis auf einen Patienten, die eine Demenz entwickelten, waren davon betroffen.

Die Forscher haben für diese Korrelation keine Erklärung. Eine kausale Verbindung sei unwahrscheinlich, da die Störung kaum zu Unterbrechungen des Schlafes führe. Tagesschläfrigkeit war nicht mit einer erhöhten Demenzrate assoziiert.

Ein stark erhöhtes Demenzrisiko hatten erwartungsgemäß Patienten, die bereits eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder andere Zeichen eines kognitiven Abbaus wie visuelle Halluzinationen oder psychotische Symptome aufwiesen.

Im Gegensatz zu früheren Daten waren Parkinsonkranke, bei denen Akinesie und Rigor im Vordergrund standen, nicht vermehrt demenzgefährdet. Vielmehr zeigten Gangstörungen, Stürze und "Freezing" eine enge Korrelation mit der Ausbildung einer Demenz.

Der Schweregrad der Parkinsonkrankheit, beurteilt mit der UPDR-Skala (Unified Parkinson's Disease Rating Scale), war für das Demenzrisiko dagegen unerheblich.Die Neurologen betonen allerdings, dass einige Beziehungen wegen der kleinen Probandenzahl dem Zufall geschuldet sein könnten. Die Ergebnisse ihrer Studie seien daher als exploratorisch aufzufassen. (bs)

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