Ärzte Zeitung online, 28.12.2017

Studie

Senioren lernen Klavier für die Hirnforschung

Musikwissenschaftler und Mediziner aus Hannover wollen herausfinden, ob aktives Klavierspielen bei Senioren dem Alterungsprozess des Gehirns entgegenwirkt.

Senioren lernen Klavier für die Hirnforschung

Wie wirkt sich Musizieren auf das Gehirn im Alter aus? Antwort darauf soll nun eine Studie in Hannover liefern.

© RapidEye / Getty Images / iStock

HANNOVER. An der Studie unter Leitung des Neurologen und Musikwissenschaftlers Eckart Altenmüller sollen rund 60 Senioren in Hannover teilnehmen: 30 von ihnen erhalten ein Jahr lang einmal pro Woche kostenlos Klavierunterricht, die anderen 30 eine theoretische Ausbildung zur Musikgeschichte. Beide Gruppen müssen täglich etwa 30 Minuten den gelernten Stoff wiederholen beziehungsweise Klavier üben.

Die Teilnehmer machen im Studienverlauf zudem drei Mal umfangreiche Tests auf verschiedene Fähigkeiten. Darüber hinaus werden mögliche Veränderungen ihrer Hirnstruktur mit bildgebenden Verfahren wie MRT untersucht. Weitere 40 Studienteilnehmer werden in Genf in der Schweiz unterrichtet.

Gemeinsam mit einem Genfer Forschungskonsortium und Prof. Tilmann Krüger, Medizinische Hochschule Hannover, soll erforscht werden, in welcher Weise Musikmachen im höheren Alter die Denkfertigkeiten und die Lebensqualität älterer Menschen steigern kann.

"Wir wissen, dass sich die Nervenzellen im Gehirn auch im Alter weiter anpassen können", so Projektleiter Altenmüller. "Vom aktiven Klavierspiel erwarten wir vor allem eine verbesserte Vernetzung der Hirnregionen, die für Bewegen und Wahrnehmen zuständig sind." Getestet werden soll, ob die Studienteilnehmer durch den Klavierunterricht ihre Reaktionsfähigkeit und ihr Arbeitsgedächtnis verbessern. Zudem wird untersucht, ob sich die Stimmung mit dem Musizieren verbessert. Die Probanden sollten in ihrer Kindheit nicht länger als sechs Monate ein Instrument gelernt haben und müssen möglichst gesund sein.

Die Studie mit dem Titel "Fit im Kopf durch Musizieren: Eine Untersuchung zu den Auswirkungen von Musikunterricht auf Denken, Lebensqualität und Hirnplastizität" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit mehr als 427.000 Euro gefördert. (dpa)

Studienteilnehmer gesucht

Gesucht werden noch Studienteilnehmer im Alter zwischen 64 und 76 Jahren, die in ihrer Kindheit kein Musikinstrument länger als sechs Monate erlernt haben dürfen. Zudem müssen sie möglichst gesund und mit verschiedenen Tests und MRT-Untersuchungen einverstanden sein.

Lesen Sie dazu auch:
Musikwissenschaftler: "Musizieren hält fit im Alter"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alzheimer-Anzeichen schon 25 Jahre vor Ausbruch

Die Alzheimer-Demenz kündigt sich in einigen Formen offenbar lange vor Krankheitsbeginn an. Das bringt Zeit, um die Erkrankung zu verhindern - womöglich sogar zwei Jahrzehnte. mehr »

Placebo ist nicht gleich Placebo

Ein Scheinmedikament zu verordnen, gilt manchen Ärzten als anrüchig - andere halten es für legitim. Bei vielen hängt es davon ab, woraus das spezielle Placebo besteht. mehr »

Wie Ärzte Hausbesuche richtig delegieren

Das EBM-Kapitel 38 macht den NäPA-Hausbesuch auch für Fachärzte interessant. Was abgerechnet werden darf, hängt nämlich entscheidend von der Qualifikation der Praxismitarbeiterin ab. mehr »