Ärzte Zeitung, 03.02.2004

Schnelle Insulin-Analoga für Schwangere?

Kein Beleg für erhöhtes Fehlbildungsrisiko / Schnelle Analoginsuline helfen, postprandiale Zielwerte wirklich zu erreichen

NEW ORLEANS (hbr). Nach noch unveröffentlichten Daten haben Insulin-Analoga in der Schwangerschaft kein Risiko für Fehlbildungen. Analysiert worden ist dies für die kurzwirksamen Insulinanaloga lispro und aspart.

Das hat Professor Lois Jovanovic vom Sansum Medical Research Institute in Santa Barbara in Kalifornien bei einem Diabeteskongreß in New Orleans berichtet.

In die beim Kongreß vorgestellte Auswertung zu Insulin lispro sind Daten von insgesamt 500 schwangeren Frauen eingeflossen, die während der Organogenese ihres Kindes mit Lispro behandelt wurden. Die Rate an Fehlbildungen liege bei 5,4 Prozent, sagte Jovanovic. Das klinge ermutigend, denn: "In der wissenschaftlichen Literatur genannte Fehlbildungsraten aus den letzten 20 Jahren, seit wir Humaninsulin haben, bewegen sich zwischen 4,5 und 11 Prozent."

Die schnellen Analoga sind unter anderem deshalb für Schwangere interessant, weil die Blutzuckergrenzen für werdende Mütter eng gesteckt sind: "Wir empfehlen unter 90 mg/dl vor dem Essen und nicht mehr als 120 nach dem Essen", so Jovanovic. Schon im Bereich von 120 mg/dl postprandial steige etwa das Makrosomie-Risiko für Ungeborene.

Der postprandiale Blutzucker sei aber mit Normalinsulin nur schwer zu regulieren. Mit schnell wirkenden Insulin-Analoga seien die Ziele besser erreichbar, betonte sie. Das zeigte sich bei 40 Frauen mit Gestationsdiabetes, die Humaninsulin oder das Analogon Insulin lispro erhielten. Die Abnahme der postprandialen Werte wurde von einer Senkung des HbA1c begleitet. Trotz der niedrigeren Blutzuckerwerte war die Hypoglykämierate in der Analogongruppe um ein Viertel verringert.

Mit schnell wirkenden Analoga könnten die Frauen zudem direkt nach der Injektion essen - ein Vorteil, denn den üblichen Spritz-Eß-Abstand einzuhalten, falle Schwangeren oft sehr schwer.

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