Ärzte Zeitung, 06.06.2005

Häufig Prädiabetes bei Patienten mit Risikofaktoren

Studie mit 19 000 Patienten

BERLIN (hbr). Nicht nur die Zahl der Diabetes-Patienten steigt, auch die der Prädiabetiker nimmt entsprechend zu, hat eine französische Studie ergeben. Europaweit wird die Zahl der Prädiabetiker derzeit auf mehr als 60 Millionen geschätzt. Ihr kardiovaskuläres Risiko ist bereits erhöht.

In der Studie wurden über 19 000 Patienten mit Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes untersucht. Gefunden wurden dabei hohe Raten für Diabetes und für erhöhte Nüchtern-Glukose-Werte. Professor Paul Valensi von der Universität Paris-Nord hat die Daten beim Kongreß "Prädiabetes und Metabolisches Syndrom" in Berlin vorgestellt.

An der Step-by-Step-Studie hatten 45 bis 80 Jahre alte Hausarzt-Patienten teilgenommen, die mindestens einen Risikofaktor für Typ-2-Diabetes aufwiesen. Dazu gehörte zum Beispiel ein Body Mass Index (BMI) über 28 kg/m², Bluthochdruck, zu niedrige HDL-Werte, Diabetes in der Familienanamnese oder Gestationsdiabetes.

Von den Teilnehmern hatten einige gleich mehrere Risikofaktoren für Diabetes. Zwei Drittel von ihnen hatten einen zu hohen BMI, ebensoviele waren hyperton, 48 Prozent hatten eine Dyslipidämie. Und: Bei jedem dritten Teilnehmer gab es Diabetiker in der Familie.

Das Ergebnis: Bei elf Prozent der Studienteilnehmer, also bei etwa jedem neunten, wurde ein zuvor nicht bekannter Diabetes festgestellt. Von den übrigen wiesen 23 Prozent, also fast jeder vierte, bereits erhöhte Nüchtern-Glukose-Werte auf, wie Valensi bei einem von Merck Pharma unterstützten Symposium berichtet hat. Als wichtigste Risikofaktoren für erhöhte Nüchtern-Glukose-Werte ermittelten die Forscher unter anderem einen BMI über 28 kg/m² und familiäre Diabetes-Belastung.

Bereits das prädiabetische Stadium mit moderater Nüchtern-Hyperglykämie oder Glukose-Intoleranz bedeutet ein erhöhtes Risiko für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen. Darauf weisen zum Beispiel französische Studiendaten von 40 000 Patienten hin: Selbst Patienten im Alter von nur 21 bis 30 Jahren hatten bei leicht erhöhten Nüchternwerten bereits eine signifikant erhöhte Pulsfrequenz im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne Blutzuckerprobleme. Eine hohe Pulsfrequenz ist mit einer Verschlechterung der kardiovaskulären Prognose assoziiert.

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