Ärzte Zeitung, 22.09.2005

Diabetiker lernen Umgang mit neuropathischen Schmerzen

Schulungs- und Behandlungsprogramm NEUROS liefert wichtige Informationen / Praktische Tips zur Beeinflussung der Schmerzwahrnehmung

BONN (hbr). Zur Betreuung von Patienten mit einer diabetischen Neuropathie wird in Kürze das Schulungs- und Behandlungsprogramm NEUROS angeboten (wir berichteten). Das gerade fertig entwickelte Programm ist das erste seiner Art.

Eine Neuropathie trifft jeden vierten Diabetiker, und das ziemlich hart: Schmerzen und Mißempfindungen reduzieren ihre Lebensqualität, überdurchschnittlich viele plagen sich mit Schlafstörungen und Depressionen, und ihr Risiko für ein diabetisches Fußsyndrom ist erhöht.

Dabei wissen sie oft nur wenig über Krankheit und Therapiemöglichkeiten Bescheid, sagt Dr. Bernhard Kulzer von der Diabetes-Akademie in Bad Mergentheim. Außerdem stehen sie Therapien, etwa in der Schmerzbehandlung, häufig skeptisch gegenüber ("Von dem Medikament könnte ich zunehmen") - und brechen sie oft ab.

    Programm bietet Patienten auch Motivationshilfen.
   

Das ist fatal: nicht angemessen gelinderte Schmerzen können die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses fördern, so der Psychologe Kulzer bei der Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Diabetologen und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Ziel des Schulungs- und Behandlungsprogramms NEUROS ist es, den Patienten mehr Wissen zu vermitteln, in erster Linie zur schmerzhaften Neuropathie.

Deshalb werden etwa auch die Prinzipien moderner Schmerztherapie kurz erklärt. Schmerzchronifizierung soll damit verhindert und die Lebensqualität der Patienten erhalten werden. Die Betroffenen lernen, wie Schmerzen - oder deren Fehlen - bei Neuropathie entsteht. Die Diabetiker lernen aber auch, daß nicht jede Schmerztherapie bei jedem Patienten greift und regelmäßige Anpassungen nötig sein können. Das vermeidet unnötige Frustrationen.

Den Patienten wird außerdem vermittelt, daß sie bei neuropathischen Schmerzen nicht mit Mitteln aus der Hausapotheke herumexperimentieren, sondern zum Arzt gehen sollen. Zusätzlich gibt es praktische Tips, wie sich die Schmerzwahrnehmung beeinflussen läßt, etwa durch Ablenken oder Vermeiden von sozialem Rückzug. Auch Verfahren wie Akupunktur und physikalische Therapien werden besprochen.

Das Programmpaket soll Ärzten außer Informationshilfen für die Patienten auch Motivationshilfen an die Hand geben. Denn mit motivierten Patienten arbeitet es sich leichter, sagte Kulzer bei einem vom Unternehmen Lilly unterstützten Symposium in Bonn.

Für Einzelberatungen steht das Tisch-Flipchart zur Verfügung, für die Gruppenschulung gibt es etwa 40 Overhead-Folien. NEUROS wurde in Mergentheim und im Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf mit Unterstützung von Lilly entwickelt und soll Ende diesen Jahres erhältlich sein.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Den Ratschlag, viel zu trinken, sollten sich Frauen nicht nur während eines Harnwegsinfektes zu Herzen nehmen. Auch wer danach reichlich Wasser trinkt, profitiert davon. mehr »

In der Praxis oft auch knifflige AU-Fälle

Die Regeln, wie und wann ein Arzt einen Patienten krankschreiben darf, sind in der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie festgehalten. In der Praxis gibt es jedoch viele knifflige Fälle. mehr »

Handlungsbedarf bei Chronikerpauschale!

Die Chronikerzuschläge für Hausärzte bleiben eine der dringendsten Hausaufgaben für die Selbstverwaltung. Es wird Zeit, die alten bürokratischen Zöpfe abzuschneiden, meint unser Abrechnungsexperte. mehr »