Ärzte Zeitung, 21.12.2005

Einstellung auf Basalinsulin für Patienten einfach

Dosis läßt sich anhand des morgendlichen Nüchternblutzuckers steuern / Selbst-Titrieren bringt keine Nachteile

BERLIN (hbr). Typ-2-Diabetiker lassen sich mit dem langwirksamen Insulin glargin sicher auf Insulin einstellen. Den Patienten kann dabei durchaus Eigenverantwortung übertragen werden, so die Erfahrung von Dr. Albrecht Fießelmann aus Berlin.

Basalinsulin bietet Typ-2-Diabetikern einen einfachen Einstieg in die Insulinbehandlung. Die Patienten nehmen ihre Tabletten weiter. Foto: AOK-Mediendienst

Einen einfachen Einstieg in die Insulinbehandlung bietet zum Beispiel die basal-unterstützte orale Therapie: Die Patienten nehmen ihre Tabletten weiter. Neu dazu kommt nur ein Basalinsulin. Wird dafür das 24 Stunden wirksame Insulin glargin (Lantus®) eingesetzt, müssen die betreffenden Patienten nur einmal täglich Insulin injizieren.

Die Dosis läßt sich anhand des morgendlichen Nüchternblutzuckers steuern. Ziel dabei ist in der Regel ein Wert unter 100 mg/dl. Das braucht etwas Zeit: Die Patienten kommen in der Einstellphase regelmäßig in die Praxis, weisen ihre Werte vor, und der Kollege sagt, um wieviele Einheiten die Dosis gesteigert werden soll.

Schneller geht es, wenn die Patienten selbst titrieren, sagte Fießelmann bei der Tagung "Der herzkranke Diabetiker" in Berlin. Die Diabetologen empfehlen in der Regel, abends mit einer Startdosis von zehn Einheiten zu beginnen. Aufgabe der Patienten ist es, morgens den Blutzucker zu messen.

Am Ergebnis orientieren sie dann die Anpassung der Insulindosis, wie sie der Arzt vorgibt: Die Patienten erhöhen nach drei Tagen um zwei Einheiten, wenn der Nüchternblutzucker über dem Zielwert liegt. Und zwar solange, bis dieser Wert erreicht wird. Das funktioniert recht gut, denn "bei 90 Prozent der Patienten ist der Nüchternblutzucker relativ stabil", so Fießelmann bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis.

Die Dosis wird um zwei Einheiten gekürzt, wenn der Morgenwert bei einem Ziel von zum Beispiel 100 mg/dl unter 90 mg/dl sinkt. Für den Anfang gibt es beim Zielwert noch eine Pufferzone, er steigt also zum Beispiel von 100 auf 120 mg/dl. Im übrigen ist dieser Wert individuell festzulegen.

Das Ergebnis dieses Vorgehens kann sich sehen lassen. Zum einen kommt es, so Fießelmanns Erfahrung, nicht zu häufigeren Hypoglykämien als man vielleicht befürchten könnte. Zum anderen belegen Daten von 4000 Patienten, daß sich der HbA1c-Wert bei denjenigen, die nach ärztlichen Angaben selbst titrierten, um 1,2 Prozentpunkte senkt. Patienten, die "titriert wurden", verbesserten sich um 1,1 Punkte.

Auch nehmen Diabetiker mit dem Langzeit-Analogon nicht automatisch an Gewicht zu. Das hat eine dreimonatige Studie mit Typ-2-Patienten ergeben: Erhielten sie zusätzlich zu Metformin Insulin glargin, legten sie 300 Gramm zu. Mit dem klassischen NPH-Insulin waren es zwei Kilogramm.

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