Forschung und Praxis, 27.02.2006

Bei der Diabetes-Therapie schneidet Deutschland gut ab

Kritik an Qualität von Lipid- und Hochdruck-Therapie

Bei der Blutzucker-Einstellung von Typ-2-Diabetikern schneidet Deutschland im internationalen Vergleich gut ab. Der Glukosestoffwechsel ist bei etwa 35 Prozent optimal (HbA1c  6,5 Prozent) und bei etwa einem Fünftel gut (HbA1c > 6,5  7 Prozent) eingestellt. Bei mehr als 40 Prozent der Patienten liegt der HbA1c mit > 7 Prozent allerdings viel zu hoch.

Bei mehr als 40 Prozent der in der DIG-Studie erfaßten Typ-2-Diabetiker liegt der HbA1c noch über 7 Prozent. Foto: sbra

Das ist eines der Ergebnisse der DIG-Studie (Diabetes in Germany) mit 4020 Patienten aus 238 Praxen in ganz Deutschland. DIG ist eine prospektive Vier-Jahres-Studie, in der die Qualität der Therapie von Typ-2-Diabetikern mit und ohne Makroangiopathie im Hinblick auf Blutzucker und andere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Lipidwerte und Blutdruck analysiert worden ist (Diabetes, Stoffwechsel und Herz 1, 2006, 9).

15 Prozent der Studienteilnehmer haben nach einer Diabetesdauer von im Mittel 8,4 Jahren bereits eine manifeste Makroangiopathie - zu 70 Prozent sind dies Männer. Bei Patienten mit Makroangiopathie ist die Blutzucker-Einstellung schlechter als bei jenen ohne: Der HbA1c liegt höher (7,2 vs. 7 Prozent), ebenso der Nüchternblutzucker (140,4 vs. 135 mg / dl).

Erhebliche Defizite in der Umsetzung von Therapiezielen, wie sie in den Praxisleitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft formuliert sind, ergab die Datenanalyse in puncto Blutdruck- und Fettstoffwechsel-Einstellung. So haben 91,3 Prozent der Patienten eine Hypertonie.

Der bei Diabetikern geforderte Zielwert von < 130 mmHg systolisch ist nur bei 21 Prozent der Patienten mit und bei 13 Prozent ohne Makroangiopathie erreicht worden. Dagegen liegt der diastolische Blutdruck im Zielbereich (< 85 mmHg).

Nach Ansicht der Studienautoren kann aber davon ausgegangen werden, daß sich die Hochdrucktherapie in Deutschland in den vergangenen Jahren verbessert hat. Denn in der CODE-2-Studie (Cost of Diabetes in Europe - Type 2), deren Daten drei Jahre vor denen der DIG-Studie erhoben worden waren, hatten die Patienten mit im Mittel 147 / 84 mmHg noch deutlich höhere Blutdruckwerte (DIG: 139,4 / 81,7 mmHg).

Keine ausreichende Therapie wegen erhöhter Lipidwerte

Eine "keinesfalls befriedigende" Therapiequalität, so die Autoren, ergab die Datenanalyse für die Lipidwerte. 72 Prozent der Patienten haben eine Dyslipidämie (hohe Triglyzeride, niedriges HDL-Cholesterin) und 86 Prozent eine Hypercholesterinämie. Von den Patienten ohne Makroangiopathie werden 4 Prozent mit einem Fibrat und 22 Prozent mit einem Statin behandelt.

In der Gruppe der Patienten mit Makroangiopathie erhalten 5 Prozent ein Fibrat und 58 Prozent ein Statin. Von den Patienten, die schon ein kardiovaskuläres Ereignis haben, wird ein Viertel wegen der Dyslipidämie nicht behandelt. Allein die HDL-Werte liegen im Zielbereich (> 45 mg / dl bei Frauen, > 35  mg / dl bei Männern). (mar)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »