Ärzte Zeitung, 29.05.2006

Erfolg mit erster Spezialschulung für alte Diabetiker

Programm an die Bedürfnisse alter Menschen angepaßt / Erfolg schlägt sich auch in besserem HbA1c-Wert nieder

LEIPZIG (hbr). Auch bei alten Diabetikern kann eine gute Diabetesschulung lohnen. Das geht aus den Ergebnissen des ersten speziell auf Patienten in der Geriatrie zugeschnittenen Schulungsprogramms hervor: Das Wissen über Krankheit wächst deutlich; HbA1c-Werte und Unterzuckerungsraten werden signifikant vermindert.

Auf dem Diabeteskongreß in Leipzig hat Dr. Anke Braun von der Universität Jena das strukturierte Schulungsprogramm für alte Patienten mit Typ-2-Diabetes (SGS) vorgestellt. Es sei speziell für die Bedürfnisse alter Patienten konzipiert, so Dr. Rom Andrej Zeyfang vom Bethesda Krankenhaus in Stuttgart.

Das bedeutet etwa, daß in den Schulungen nur das Basiswissen vermittelt wird und dieses Wissen im Alltag konkret umsetzbar sein muß. Dafür besteht eine Schulungsgruppe aus höchstens sechs Teilnehmern. Zudem ist viel Zeit für Wiederholungen des Gelernten eingeplant.

Insgesamt umfaßt eine Schulungsstaffel sechs bis sieben Einheiten à 45 Minuten. Erarbeitet wurde das Programm von der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der Deutschen Diabetes Gesellschaft mit Unterstützung von der Berlin-Chemie AG.

Den Nutzen der Schulung belegt ein Vergleich mit einem Standardprogramm, dem strukturierten Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ-2-Diabetiker mit Insulintherapie. Dafür wurden 83 Patienten mit dem SGS geschult und 72 mit dem Standardprogramm. Die Teilnehmer waren im Mittel 76 Jahre alt und hatten seit zwölf Jahren Diabetes.

Der Start-HbA1c betrug 8,3 Prozent in der SGS-Gruppe und 7,6 in der Kontrollgruppe. Die meisten Teilnehmer (83 Prozent) hatten schon vor Schulungsbeginn eine Mono- oder Kombitherapie mit Insulin erhalten, jeweils etwa 40 Prozent mit Mischinsulin oder intensivierter Insulintherapie.

Sechs Monate nach der Schulung hatten die SGS-Patienten ihren HbA1c um einen halben Prozentpunkt gebessert, die Patienten der zweiten Gruppe nur um 0,1 Punkte. Der Unterschied war signifikant. Zudem konnten nur die SGS-Patienten ihre Rate symptomatischer Unterzuckerungen signifikant um ein Viertel verringern. Das Programm soll im Sommer 2006 verfügbar sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »