Ärzte Zeitung, 29.05.2006

Hoher HbA1c-Wert begünstigt Fehlbildungen

LEIPZIG (ej). Wenn schwangere Frauen mit Diabetes ihre Blutzuckerwerte streng kontrollieren, haben sie die gleiche Chance auf ein gesundes Kind wie eine Frau ohne Diabetes. Enge Grenzwerte lassen sich dabei gut mit einem kurzwirksamen Insulin einhalten.

Normnahe Blutzuckerwerte sind in keiner Lebensphase so wichtig wie in der Schwangerschaft. Denn damit können das Fehlbildungs- und Abortrisiko gesenkt sowie Diabetes-spezifische Komplikationen vermieden werden. Normnah während der Schwangerschaft heißt: Die Blutzuckerwerte sollten nüchtern und vor dem Essen zwischen 60 und 90 mg/dl liegen, eine Stunde nach dem Essen 140 mg/dl nicht überschreiten.

"So enge Grenzwerte können am besten mit einem kurzwirksamen Insulin erreicht werden", sagte Professor Lois Jovanovic aus Santa Barbara in den USA beim Diabeteskongreß in Leipzig. Insulin lispro (Humalog®) zeichne sich dadurch aus, daß es im Vergleich zum langsamer anflutenden Humaninsulin besser die postprandiale Blutglukose senkt und seltener zu schweren Hypoglykämien führt.

Keine erhöhte Fehlbildungsrate bei Therapie mit Insulinanalogon

Trotzdem gebe es immer wieder Bedenken, ob ein Insulin mit veränderter Molekülstruktur im Vergleich zu Humaninsulin nicht doch ein Risiko für die Entwicklung eines Kindes darstelle. Dies wurde in einer retrospektiven Studie mit knapp 500 Schwangeren mit Diabetes untersucht. Es handelte sich zumeist um Typ-1-Diabetikerinnen.

Bei 27 von diesen Frauen lebend geborenen Kindern (5,4 Prozent) kam es zu Fehlbildungen. Dies entspreche der in der Literatur angegebenen Anomalierate von zwei bis elf Prozent für Kinder von Müttern mit Diabetes.

Mit dem HbA1c-Wert steigt die Fehlbildungsrate

In der Studie stellte sich auch heraus, daß Neugeborene von Frauen mit einem normnahen HbA1c-Wert zu Anfang der Schwangerschaft keine Anomalien hatten. Dagegen gab es in den Gruppen mit stark erhöhten HbA1c- Werten sogar bei zwölf Prozent der Neugeborenen Fehlbildungen. Selbst Frauen, die von anfänglich schlechter Stoffwechselsituation zu sehr viel besseren Werten im dritten Trimenon kamen, konnten die Prognose nicht erkennbar bessern.

Die Rate der Fehlbildungen korrelierte nur mit dem HbA1c-Wert in der Frühphase. "Da mit Insulin lispro die meiste Erfahrung vorliegt, ist es für mich Mittel der Wahl in dieser sensiblen Lebensphase", sagte Jonanovic bei einem Symposium des Unternehmens Lilly.

Die Anwendung von Insulin lispro während der Schwangerschaft ist bereits seit Oktober 2003 zugelassen. In den Fachinformationen wird darauf hingewiesen, daß keine unerwünschten Wirkungen auf die Gesundheit des Föten oder der Neugeborenen bekannt sind.

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