Forschung und Praxis, 26.06.2006

Weniger Komplikationen bei Blutzucker-Selbstmessung

Prof. Stephan
Martin plädiert aufgrund der ROSSO-Ergebnisse für die Blutzucker-Selbstmessung auch bei frühem Typ-2-
Diabetes.
Foto: grue

Die regelmäßige Blutzucker-Selbstmessung (BZSM) ist bekanntlich Voraussetzung für das Erreichen der Therapieziele bei Typ-1-Diabetikern. Daß sich die BZSM auch bei Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes lohnt, ist erstmals in der deutschen ROSSO-Studie belegt worden: Die Morbiditäts- und Sterberaten waren hier bei Patienten mit regelmäßiger BZSM signifikant geringer als bei denjenigen, die ihren Blutzucker nicht kontrollierten. Professor Stephan Martin vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf plädiert deswegen für eine regelmäßige BZSM bei allen Typ-2-Diabetikern von Beginn an.

Martin hat in Leipzig die Ergebnisse der ROSSO-Studie (Retrolective Study Self-Monitoring of Blood Glucose and Outcomes in Patients with Typ-2-Diabetes) vorgestellt, die vom Unternehmen Roche Diagnostics unterstützt worden ist. ROSSO ist eine multizentrische, retrospektive Studie, in die Daten von 3268 Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes aus 192 deutschen Hausarzt- und internistischen Praxen einbezogen wurden.

Untersucht wurde, welchen Einfluß die BZSM auf die Sterberate und die Diabetes-assoziierte Morbiditätsrate hat. Letztere umfaßte als kombinierten Endpunkt einen nicht-tödlichen Myokardinfarkt, Schlaganfall, Amputation, Erblindung und Hämodialyse-Pflichtigkeit.

In einem mittleren Untersuchungszeitraum von 6,5 Jahre haben 1479 Patienten (47 Prozent) ihren Blutzucker mindestens ein Jahr lang selbst gemessen. Die Morbiditätsrate war in der BZSM-Gruppe signifikant geringer als in der Gruppe ohne BZSM (7,2 vs. 10,4 Prozent). Ähnliches ließ sich für die Sterberate feststellen (2,7 vs. 4,6 Prozent).

Von Blutzucker-Selbstmessungen profitieren schon Patienten mit neu erkanntem Typ-2-Diabetes. Foto: imago

Das bedeutet: Patienten mit BZSM haben eine um ein Drittel niedrigere relative Rate für nicht-tödliche Diabetes-assoziierte Ereignisse und eine um die Hälfte reduzierte relative Rate für tödliche Ereignisse, so das Fazit von Martin, der an der Studie mitgearbeitet hat. Diese Ergebnisse sind vor kurzem publiziert worden (Diabetologia 49, 2006, 271).

Noch unveröffentlicht sind dagegen die Ergebnisse der Analyse, in der der Einfluß der BZSM auf mehrere Stoffwechsel- und Laborparameter, Körpergewicht und Blutdruck untersucht wurde. Hierzu wurden die Parameter-Werte jeweils in Quartile aufgeteilt - etwa für Blutzucker, Nüchternblutzucker, HbA1c, LDL, HDL, Triglyzeride, Blutdruck, Body-Mass-Index, Harnsäure oder Kreatinin.

Dabei wurde deutlich, daß sowohl die Patienten mit guten als auch diejenigen mit schlechten Werten von der BZSM profitieren, so der Diabetologe bei einem Symposium des Unternehmens. Sie schnitten signifikant besser ab als die jeweiligen Vergleichsgruppen ohne BZSM.

Betrachtet man nur die Daten derjenigen Diabetiker, die allein mit oralen Antidiabetika behandelt wurden, ergibt sich, daß die Therapie häufiger bei den Patienten mit BZSM angepaßt worden ist als bei denen ohne BZSM.

Der Nutzen der BZSM werde auch deutlich, wenn man etwa die Werte für Nüchternblutzucker oder HbA1c vor und nach Beginn der BZSM betrachtet: In den Jahren vor der BZSM seien beide Werte nach und nach gestiegen, mit Beginn der BZSM aber stark zurückgegangen, so Martin. (mar)

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