Ärzte Zeitung, 05.10.2006

"Gestreßte Menschen sind auch Diabetes-gefährdet"

Letzte Deutschland-Station des "Changing-Diabetes-Bus" in Köln / Fast 500 Menschen ließen ihren Blutzucker messen

KÖLN (pah). Besucher der Kölner Innenstadt hatten am Wochenende Gelegenheit zum kostenlosen Gesundheitscheck: Der Aufklärungsbus zur Kampagne "Changing-Diabetes" hatte zwei Tage lang am Rudolfplatz Station gemacht. Viel gefragt war dabei die Möglichkeit, mit dem Cardioscan das Herz prüfen zu lassen.

Mit dem EKG-basierten Verfahren kann gemessen werden, wie gut sich jemand entspannen kann. "Streß kann die Entstehung von Typ-2-Diabetes fördern", sagte der Arzt und Sportlehrer Dr. Klaus Gerlach. Bei Diabetikern verursacht Streß zudem häufig gefährliche Stoffwechselentgleisungen.

Cardioscan: Ein Passant hat EKG-Elektroden an den Handgelenken. Er erfährt, wie aus den Daten ein dreidimensionales Herzportrait errechnet wird. Foto: oncue Mainz

Gerlach ist Mannschaftsarzt des Fußballbundesligisten FSV Mainz 05 und begleitete den Aktionsbus auf seinen vier Stationen in Deutschland. "Beim Cardioscan erfaßt das Gerät eine Minute lang die Abstände zwischen den Herzschlägen", erklärt Gerlach. Aus der Variabilität der Herzfrequenz wird ein Prozentwert für die Streßbelastung errechnet. Er kann zwischen null und hundert liegen, normal sind Werte bis 35 Prozent. "Ab 50 Prozent wird es kritisch", so Gerlach. Je größer der Wert ist, desto geringer sei die Entspannungsfähigkeit.

In Köln ließen etwa 160 Besucher ihren Streßindex bestimmen. Etwa zwei bis drei Prozent von ihnen erreichten den Maximalwert von 100 Prozent. Ihnen rieten die Betreuer, einen Arzt aufzusuchen. Bei etwa 70 Prozent der Probanden waren die Werte im Normbereich. Vor allem ältere Menschen haben an dem Herz-Check teilgenommen.

Außer die Diagnostik mit dem Cardioscan zu nutzen, konnten die Passanten in Köln mit einem Walking-Test ihre Fitneß und durch bioelektrische Impedanz-Analyse ihren Körperfettanteil bestimmen lassen. Die ebenfalls angebotene Blutzuckermessung nutzten 476 Besucher. Zwei von ihnen hatten einen manifesten, bisher unentdeckten Diabetes.

Diabetes sei dabei auch zunehmend ein Problem von jungen Leuten, erinnerte Gerlach in Köln. "Wir müssen bei den Jugendlichen das Bewußtsein für die Gefahren von falscher Ernährung und Bewegungsmangel schärfen."

Der Aufenthalt des "Changing-Diabetes-Bus" in Köln war die letzte von vier Deutschland-Stationen des Busses. Der Aktionsbus des Unternehmens Novo Nordisk fährt 15 Monate lang um die Welt, um über Diabetes aufzuklären. Er ist außerdem Teil der Kampagne "UNite for Diabetes", einer Unterschriftenaktion mit dem Ziel eine Diabetes-Resolution der Vereinten Nationen zu veranlassen.

Insgesamt haben nach Angaben des Unternehmens seit dem 19. September bei den Veranstaltungen in Berlin, Kassel, München und Köln über 2000 Besucher die Gesundheits-Checks in Anspruch genommen. Die Möglichkeit zur Messung des Blutzuckerspiegels nutzten etwa 2500 Interessierte.

Weitere Infos: www.diabetes.de oder www.novonordisk.de

STICHWORT

Cardioscan

Beim Cardioscan wird aus EKG-Daten per Computer ein dreidimensionales Herzportrait errechnet. Gesunde Areale werden grün, gefährdete Areale gelb oder rot dargestellt. Das Gerät mißt zudem die Variabilität der Intervalle zwischen den R-Zacken des EKG. Die Herzfrequenz-Variabilität (HfV) ist ein Marker für die Aktivität des vegetativen Nervensystems.

Die Messung der HfV kann als IGeL angeboten werden. In der Sportmedizin ist das Verfahren schon seit Mitte der 90er Jahre gebräuchlich.

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