Ärzte Zeitung, 05.06.2007

Neues orales Antidiabetikum ohne Risiko für Hypoglykämien

Vildagliptin stimuliert die postprandiale Insulinsekretion / Substanz hemmt Appetit

HAMBURG (grue). Der DDP-4-Hemmstoff Vildagliptin stimuliert bei Typ-2-Diabetes die postprandiale Insulinausschüttung und senkt so den Blutzuckerspiegel. Nach Studienergebnissen lässt sich der HbA1c-Wert mit dem Präparat um etwa einen Prozentpunkt senken. Das orale Antidiabetikum soll noch dieses Jahr in Deutschland in den Handel kommen.

Blutzuckerspiegel sinken mit Vildagliptin, die langfristige Stoffwechselkontrolle wird verbessert. Der HbA1c lässt sich um etwa einen Prozentpunkt senken. Foto: eh

Das Enzym DDP-4 hemmt im Darm sogenannte Inkretinhormone, die wiederum die Insulinsekretion stimulieren. Wird das Enzym durch Vildagliptin blockiert, steigt nachfolgend der Inkretinspiegel an und damit auch die Insulinausschüttung. Gleichzeitig wird die Glukagonsekretion gesenkt. "Der neue Wirkstoff stellt das beim Diabetiker gestörte Gleichgewicht zwischen Glukagon und Insulin wieder her und sorgt dadurch für eine effektive Senkung der HbA1c-Werte", sagte Professor Michael Nauck aus Bad Lauterberg auf einer Novartis-Veranstaltung in Hamburg.

Vildagliptin wird einmal täglich als Tablette in einer Standarddosierung unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen und wirkt abhängig von der Höhe des Blutzuckers. Weil mit dem Eingriff ins Inkretin-System ein natürlicher Wirkmechanismus zur Senkung erhöhter Blutzuckerspiegel genutzt wird, sollte im Prinzip jeder Diabetiker auf die Behandlung ansprechen. Womöglich könne der DDP-4-Hemmer auch den Verlust an insulinproduzierenden Zellen aufhalten und zu einer Restaurierung des Pankreasgewebes beitragen, sagte der Diabetologe.

Außerdem wirkt die Substanz appetithemmend, was für die Therapie übergewichtiger Typ-2-Diabetiker besonders vorteilhaft ist. Die Kalorienaufnahme sinke um durchschnittlich zwölf Prozent, so Nauck. Als Monotherapie kann Vildagliptin den HbA1c-Wert um etwa ein Prozentpunkt senken, als Teil einer Kombinationstherapie hat es deutliche additive Effekte. Das gilt zum Beispiel für Vildagliptin plus Metformin. Damit konnte in einer Studie der HbA1c-Wert um weitere 1,1 Prozentpunkte gesenkt werden - und dies ohne die Rate unerwünschter Wirkungen zu erhöhen. Vildagliptin hat nämlich kein substanzeigenes Hypoglykämierisiko.

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