Ärzte Zeitung, 06.07.2007

Mit Urokinase niedrige Amputations-Rate bei Diabetikern

Enzymtherapie bessert die Fließeigenschaften des Blutes bei Diabetikern mit kritischer Extremitätenischämie / Studie mit 75 Patienten

HAMBURG (djb). Vier bis sieben Prozent der Typ-2-Diabetiker bekommen ein diabetisches Fußsyndrom, das bei jedem zweiten angiopathisch oder angioneuropathisch bedingt ist. Die Folge sind 25 000 Major-Amputationen pro Jahr.

Eine letzte Chance, auch noch in späten Stadien der Gefäßerkrankung und des Fußbefundes eine Amputation zu vermeiden, ist ein Therapieversuch mit niedrig dosierter Urokinase.

Die Prognose nach Amputationen ist für Diabetiker schlecht, insbesondere nach hohen (Major-) Amputationen am Ober- oder Unterschenkel, so Privatdozent Matthias Weck aus Kreischa. Besser vertragen werden so genannte Minor-Amputationen von Fuß oder Zehen. Drei Jahre nach einer Major-Amputation leben noch weniger als 50 Prozent der Patienten. Bei der Hälfte der Patienten mit Major-Amputation wird in den nächsten fünf Jahren eine zweite Major-Amputation erforderlich.

Oberstes Ziel der Therapie bei diabetischem Fußsyndrom müsse daher sein, Amputationen oberhalb des Sprunggelenks zu vermeiden, so Weck bei einem vom Unternehmen medac initiierten Symposium. Auch im Endstadium der Erkrankung, wenn eine interventionelle oder operative Revaskularisierung nicht mehr möglich ist, könnten jedoch mit niedrig dosierter Urokinase noch Erfolge erzielt werden, so Weck.

In einer Phase-II-Studie bei 75 Patienten mit diabetischen Füßen, kritischer Extremitätenischämie und erhöhten Fibrinogenwerten konnte mit 500 000 oder 1 Million IE Urokinase pro Tag das Risiko für eine Major-Amputation erheblich reduziert werden. Nach im Schnitt 18 Infusionen mit Urokinase (Urokinase HS medac) betrug die kumulative Zwölf-Monatsinzidenz komplett abgeheilter Fußläsionen 82 Prozent, so Weck. Nur bei 19 Prozent der Patienten war eine Major-Amputation nötig.

Die kontrollierte Defibrogenierung mit Urokinase verbessere die Fließeigenschaften des Blutes und die eingeschränkte Mikrozirkulation, berichtete Weck.

STICHWORT

Beinamputationen

Bei 80 Prozent der Patienten mit einer Beinamputation sind arterielle Durchblutungsstörungen die Ursache, bedingt vor allem durch Diabetes, Rauchen und kardiovaskuläre Erkrankungen. 20 Prozent verlieren durch Unfälle, Tumoren oder Fehlbildungen ein Bein. Pro Jahr werden in Deutschland bei 28 000 Menschen Beine amputiert. Drei Viertel davon sind bei der Amputation über 60 Jahre alt. (mut)

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