Ärzte Zeitung, 11.07.2007

Nur jeder zehnte Diabetiker hat Augenschäden

Selbst nach langer Krankheitsdauer ist die Prävalenz der diabetischen Retinopathie gering / Grund: gute Versorgung

ERFURT (hbr). Zuckerkranke Patienten in Deutschland haben offenbar seltener eine diabetische Retinopa-thie, als alte Untersuchungen vermuten ließen. Dafür sprechen Daten der Deutschen BKK.

Für die BKK-Studie wurden Augenschäden durch Diabetes erfasst. Foto: Klaro

Bei den Diabetes-Patienten wiesen 86 Prozent der linken und der rechten Augen keine Retinopathie auf, wie Privatdozent Dr. Marcus Blum aus Erfurt bei der Auswertung der Daten feststellte. Ursache ist wohl die in den letzten Jahrzehnten verbesserte Versorgung.

Für die Studie wurden von 2002 bis 2004 diabetische Augenschäden bei 5596 BKK-Versicherten erfasst. Die Krankheit bestand im Mittel seit zehn Jahren. Eine Unterteilung nach Typ-1 und Typ-2-Diabetes erfolgte nicht. Eine milde oder mäßige Retinopathie wurde bei jeweils 8 Prozent der rechten und der linken Augen gefunden; diese Patienten hatten im Mittel seit 16 Jahren Diabetes. Bei jeweils knapp 2 Prozent der linken und der rechten Augen bestand nach durchschnittlich 19 Krankheitsjahren eine schwere nichtproliferative Retinopathie. Die proliferative Form wurde nach ungefähr 18 Jahren bei 0,5 Prozent der Augen diagnostiziert. Ein klinisch signifikantes Makula-Ödem hatte jeder hundertste Patient (Ophthalmologe 104, 2007, 499).

Die Schäden waren also seltener als in einer US-Studie von 1984: Darin hatten nach 20 Jahren fast alle Typ-1- und mindestens die Hälfte der Typ-2-Patienten eine Retinopa-thie. Diese hohe Prävalenz spiegelt offenbar die Behandlung in den 60er und 70er Jahren wider, als veraltete Therapieziele galten und die Blutzucker-Selbstkontrolle noch nicht verbreitet war. In den USA lässt die Therapie offenbar auch heute noch zu wünschen übrig: Nach Daten von 2004 lag die Retinopathie-Rate bei amerikanischen Diabetikern ab 40 Jahren immer noch über 40 Prozent.

In Deutschland sind die Verhältnisse besser: In den vergangenen zehn Jahren fanden drei Studien hier Prävalenzen unter 28 Prozent. Die geringe Rate gibt wohl die Fortschritte der Patienten-Versorgung wider. So ist bekannt, dass eine HbA1c-Senkung von 9,1 auf 7,1 Prozent bei Typ-1-Diabetikern das Retinopa-thie-Risiko auf ein Viertel senkt.

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