Ärzte Zeitung, 11.10.2007
 

Oft wenig Testosteron bei Diabetikern

Risiko für Hypogonadismus bei Typ-2-Diabetikern um das Doppelte erhöht

BERLIN (gvg). Patienten mit metabolischem Syndrom haben häufig auch niedrige Testosteron-Werte im Blut. Experten sind zuversichtlich, dass sich eine Testosteron-Substitution günstig auf das kardiovaskuläre Risiko auswirken könnte.

Zwischen dem kardiovaskulären Risiko und einem latenten oder manifesten Hypogonadismus bei Männern gibt es einen engen statistischen Zusammenhang. Darauf wies Professor Reinhard Bretzel von der Uniklinik Gießen beim Urologen-Kongress in Berlin hin.

In der Allgemeinbevölkerung lägen bei etwa jedem dritten bis vierten Mann ab 40 Jahren reduzierte Testosteronwerte vor. Das entspricht einem Testosterongehalt von weniger als 12 nmol pro Liter Serum. Bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren steigt diese Quote deutlich an: So hätten Typ-2-Diabetiker ein doppelt so hohes Risiko, einen Hypogonadismus zu entwickeln, und bei adipösen Männern ist das Risiko sogar 2,4-mal so hoch.

Mittlerweile gebe es Hinweise darauf, dass der Testosteronmangel speziell beim metabolischen Syndrom Teil eines Teufelskreises sei, der das Problem immer mehr verstärke, betonte Professor Hugh Jones aus Großbritannien. So führe eine abdominelle Adipositas über eine erhöhte Aktivität des Enzyms Aromatase zu niedrigeren Testosteronwerten im Blut. Auf dem Umweg über ein weiteres Enzym - die Lipoproteinlipase - führt dieser Testosteronmangel dann seinerseits zum Fettaufbau. Dadurch wiederum wird der Testosteronabbau weiter forciert.

"In Pilotstudien konnten wir zeigen, dass eine Testosteronsubstitution speziell bei hypogonadalen Männern mit Typ-2-Diabetes günstige Effekte haben könnte", so Jones auf der von dem Unternehmen ProStrakan unterstützten Veranstaltung. So sei in einer kleinen Gruppe von Patienten der Nüchternblutzuckerwert nach Testosteronsubstitution im Vergleich zu Placebo um 1,58 mmol pro Liter abgesunken, und auch der HbA1c-Wert konnte um 0,4 Prozentpunkte abgesenkt werden.

Ob dieser Zusammenhang auch in größeren Kollektiven nachweisbar ist, soll in einer noch laufenden Studie mit 221 Patienten mit Typ-2-Diabetes oder metabolischem Syndrom geklärt werden.

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