Ärzte Zeitung, 13.03.2008
 

Kinderärzte halten Analoga bei Typ-1-Diabetes für unverzichtbar

Beim Einsatz von Insulinpumpen kann mit Humaninsulin praktisch nichts gespart werden

BERLIN (HL). Mit Nachdruck fordern pädiatrische Diabetologen und die Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes, dass die Krankenkassen weiterhin kurzwirksame Insulinanaloga bezahlen. Hinzu kommt: Werden Insulinpumpen eingesetzt, dann ist der Kostenunterschied zwischen Humaninsulin und kurzwirksamen Analoga mit acht Euro jährlich praktisch nicht relevant.

 Kinderärzte halten Analoga bei Typ-1-Diabetes für unverzichtbar

Mit Analoga und Insulinpumpen können Kinder ihre Krankheit selbst beherrschen.

Foto: LifeScan

Seit zwei Tagen liegt dem Bundesgesundheitsministerium der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Genehmigung vor, wonach die kurzwirksamen Analoga auch bei Typ-1-Diabetes generell als unwirtschaftlich gelten sollen und nicht mehr von den Kassen bezahlt werden dürfen. Eine Ausnahmeregelung gilt für bereits auf Analoga eingestellte Typ-1-Diabetiker, bei denen die Rückumstellung auf Humaninsulin unzumutbar erscheint.

Das Problem: Neueinstellungen müssen künftig - sollte das BMG den Leistungsausschluss billigen - mit Humaninsulin erfolgen.

Dagegen machte gestern der Diabetologe und Kinderarzt Professor Thomas Danne (Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover) in Berlin schwere Bedenken geltend. Etwa 12 000 Kinder werden via Insulinpumpe versorgt. Das erfordere flexibel einsetzbare Insuline - Analoga haben sich da als besonders alltagstauglich erwiesen.

Der Therapieerfolg laut Danne: 1994 erreichten weniger als 25 Prozent der Kinder einen HbA1c-Wert von unter 7,5 Prozent, 2007 waren es über 50 Prozent. Die Behauptung des IQWiG, für kurzwirksame Analoga sei kein Zusatznutzen belegt, widerspreche der internationalen Literatur und Entscheidungen etwa des NICE.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte am Vortag "großes Verständnis für die Befürchtungen der Eltern bei Umstellungen" geäußert. Sie werde sich dafür einsetzen, dass ärztliche Verordnungen nach "rein medizinischen Gesichtspunkten getroffen werden können".

Beim Einsatz von Insulinpumpen ist der Preisunterschied zwischen Humaninsulin und Analoga marginal. Für Patienten und vor allem für Kinder sind aber die Therapieunterschiede gravierend.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »