Ärzte Zeitung, 10.10.2008

Neue Diabetes-Arznei erfolgreich in Phase II klinisch geprüft

Dapagliflozin fördert Glukose-Ausscheidung über Urin

ROM (hem). Mit einer Absenkung der Nierenschwelle für die Glukose-Ausscheidung könnte es bald eine neue Therapie bei Typ-2-Diabetes geben. Der neue Ansatz zielt auf den renalen Glukosetransporter SGLT2 (Sodium Glucose Cotransporter 2) und führt durch dessen Hemmung zu einer vermehrten Zuckerausscheidung mit dem Urin.

Wie Professor Geremia Bolli aus Perugia in Italien beim Europäischen Diabeteskongress in Rom berichtet hat, sind Leber und Nieren die einzigen menschlichen Organe, die Glukose in den Blutkreislauf bringen können. So stammt etwa ein Fünftel der Glukose, die während der Nacht in den Blutkreislauf gelangt, aus der Niere. Und bei Stoffwechselgesunden geht kein Zucker über den Urin verloren.

Die Niere filtert nämlich die Glukose heraus und stellt sie dem Organismus wieder zur Verfügung. Da die Nierenkapazität jedoch begrenzt ist, kann das Filterorgan nur bis zu einer Schwelle von etwa 180 mg/dl Plasmaglukose das Substrat reabsorbieren, erklärte Bolli. Zu 90 Prozent ist hierfür der Glukosetransporter SGLT2 ursächlich.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist dieses Transporter-System jedoch hochreguliert, so der Experte. Dies und die Tatsache, dass Diabetiker eine höhere Glukoselast im Filtrat aufweisen, führt dazu, dass bei ihnen mehr Glukose durch die Niere reabsorbiert wird, als bei Menschen mit Normoglykämie. Diese Zusammenhänge legen laut Bolli nahe, dass mit einer SGLT2-Hemmung auch der Blutzucker nachhaltig gesenkt werden könnte.

Dies gelingt in der Tat mit dem selektiven SGLT2-Hemmer Dapagliflozin, hat Professor John Wilding aus Liverpool berichtet. In einer Phase-II-Studie konnten mit dem neuen Therapieansatz sowohl der Nüchtern-Blutzucker als auch postprandiale Glukosewerte deutlich gesenkt werden, was nach drei Monaten in einer HbA1c-Minderung von 0,7 Prozentpunkten resultierte. Hypoglykämien traten lediglich auf einem mit Placebo vergleichbaren Niveau auf. Am Ende der Behandlungsperiode war zudem ein Gewichtsverlust zwischen 2,4 und 3,5 kg zu verzeichnen.

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