Ärzte Zeitung online, 02.01.2009

Kinder mit Diabetes in der Schule - da ist viel zu verbessern

BUDAPEST (run). Junge Menschen mit Diabetes erhalten zu wenig soziale und psychologische Unterstützung. Vor allem in der Schule hapert es mit einer guten Betreuung. Zu diesem abschließenden Ergebnis ist die DAWN*-Youth-Befragung gekommen, die vor kurzem in Budapest vorgestellt wurde.

Zwei Jungen bei der Blutzuckerkontrolle.

Foto: LifeScan

Für die Untersuchung haben 6700 Menschen - Kinder und Jugendliche mit Diabetes sowie deren Eltern und Pfleger - aus acht Ländern einen Fragenbogen beantwortet. Erfragt wurden dabei Wünsche und Bedürfnisse in Zusammenhang mit der Erkrankung. Die Teilnehmerländer waren außer Deutschland noch Brasilien, Dänemark, Italien, Japan, Niederlande, Spanien und die USA.

Als ein wesentlicher Schlüsselbereich für künftige Initiativen ergibt sich aus den Ergebnissen: die Schule. Denn neun von zehn Kindern mit Diabetes habe keine Unterstützung in der Schule, wie das Unternehmen Novo Nordisk berichtet, einer der Initiatoren der Umfrage. Sechs von zehn Kindern haben auch ihren Blutzucker in der Schule nicht gut im Griff, gaben Ärzte an. Nur selten werden ihren Angaben zufolge allerdings hilfreiche Maßnahmen in der Schule diskutiert. Eltern und jugendliche Diabetiker glauben auch, dass die Erkrankung Einfluss auf die schulischen Leistungen hat.

Als weitere dringende Maßnahmen wurden aus den Umfragedaten ermittelt:

  • die Verbesserung einer altersentsprechenden Förderung und psychologischen Unterstützung. Denn nur 2 von 10 medizinischen Fachkräften überprüfen offenbar regelmäßig die psychosozialen Belange von jungen Menschen mit Diabetes und deren Familien im Rahmen der Versorgung.
  • die Verbesserung der eltern- und familienzentrierten Versorgung und Unterstützung. Denn 4 von 10 Eltern und Pflegern fühlen sich durch die Diabetes-Erkrankung ihres Kindes regelmäßig überfordert.
  • mehr Unterstützung durch Gleichaltrige und Netzwerke durch Gruppenaktivitäten und Sozialisierung mit anderen jungen Menschen mit Diabetes. Denn junge Menschen mit Diabetes sowie ihre Eltern und Pfleger fanden es wichtig, mit anderen jungen Menschen mit Diabetes zu reden.

"Die Situation von Kindern mit Diabetes in der Schule ist derzeit unakzeptabel", so Professor Thomas Danne, Generalsekretär der International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD). Denn die Folgen einer mangelnden Unterstützung könnten lebensbedrohlich sein.

Professor Martin Silink, Präsident der International Diabetes Federation (IDF) fordert generell ein Umdenken im Verständnis und der Wahrnehmung der psychosozialen Probleme bei Diabetikern, um so die Behandlungsergebnisse zu verbessern.

www.dawnyouth.com

*DAWN steht für Diabetes, Attitudes, Wishes and Needs und ist ein globales Programm, das von Novo Nordisk unterstützt wird.

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