Diabetes

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Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Blutzucker-Selbstkontrollen sind das A und O beim Sport

Diabetiker sollten die positiven Auswirkungen von sportlicher Aktivität auf Muskeln und Gefäße nutzen. Was man ihnen dazu raten kann, erläutert Professor Hellmut Mehnert heute.

Professur Hellmut Mehnert: Die Kombination von Metformin und Nateglinid ist eine sehr elegante Option.

Ärzte Zeitung: Wie viel Sport dürfen, und sollen Diabetiker machen?

Professor Hellmut Mehnert: Die bekannten positiven Auswirkungen sportlicher Tätigkeit auf die Muskulatur und das Gefäßsystem gelten gerade auch für Diabetiker. Diese Patienten haben einen mehrfachen Nutzen von körperlicher Bewegung bis hin zum Leistungssport: Einmal hilft die Muskelarbeit bei der Glukoseverbrennung und damit bei der Einstellung der Diabetes-Parameter. Zum Zweiten gibt es viele Daten von Sportmedizinern, die auf die Bedeutung sportlicher Betätigung zur Prävention vaskulärer Schäden hinweisen. Grundsätzlich gilt, dass bei der Muskelarbeit der Blutzucker mit weniger Insulin oder Tabletten gesenkt wird, dass die Insulinempfindlichkeit steigt, dass langfristig auch günstige Auswirkungen auf das Körpergewicht, den Fettstoffwechsel und den Blutdruck zu erkennen sind und dass man Durchblutungsstörungen und Folgekrankheiten vorbeugen kann.

Ärzte Zeitung: Wie viel Bewegung ist zu empfehlen?

Mehnert: Wenigstens zwei- bis dreimal wöchentlich soll die körperliche Betätigung über mindestens 20 bis 30 Minuten durchgeführt werden. Die Anstrengungen sind allmählich zu steigern. Allerdings kann die Muskelarbeit fehlendes Insulin nicht völlig ersetzen. Im Gegenteil: bei extremem Insulinmangel und Ketoazidose wirkt - scheinbar paradox - Muskelarbeit sogar Stoffwechsel-verschlechternd.

Ärzte Zeitung: Welche Sportarten sind geeignet?

Mehnert: Geeignet sind vor allem Sportarten, die das Herz-Kreislauf-System sowie die Lungen in Anspruch nehmen. Dafür ist Jogging ein gutes Beispiel. Für alte Patienten genügen auch beschleunigte Spaziergänge, die zu einer gewissen Erhöhung des Pulses führen. Als Faustregel gilt ein Pulsschlag von 180 weniger Lebensalter in Jahren.

Ärzte Zeitung: Worauf sollte man Patienten besonders hinweisen?

Mehnert: Grundsätzlich sollten sie vor der sportlichen Tätigkeit eine gewissen Menge an Kohlenhydraten (zwei bis drei Broteinheiten oder Kohlenhydrat-Einheiten) zusätzlich zuführen. Zudem sollten sie auch Traubenzucker dabei haben, der im Falle einer Hypoglykämie rasch zur Blutzuckerregulierung beiträgt. Sie sollten die Insulindosis reduzieren, wenn die körperliche Aktivität innerhalb der nächsten drei Stunden stattfindet. Bei besonders kurz wirkenden Analoga ist dies erforderlich, wenn die Aktivität innerhalb von zwei Stunden beginnt. Um die Nachwirkungen der Glukose verbrennenden Muskelarbeit auszugleichen, sollten die Patienten das Verzögerungsinsulin zur Nacht um 25 bis 30 Prozent vermindern.

Ärzte Zeitung: Werden mehr Blutzuckerkontrollen nötig?

Mehnert: Ja, wichtig ist - und das ist immer wieder bei den nötigen Korrekturen zu betonen - dass die Patienten lernen, mit Blutzuckerselbstkontrollen ihre Situation zu überwachen und in den Griff zu bekommen. Alles in allem gilt, dass die Patienten ihren Blutzucker nicht vorschnell korrigieren, sondern mit Blutzuckertestungen kontrollieren sollten.

Professor Hellmut Mehnert

Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten - diesen Themen widmet sich Professor Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren. 1967 hat Mehnert die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht. Er hat auch das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland ins Leben gerufen. Mehnert ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

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