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Ärzte Zeitung online, 12.02.2009

Fortschritte in der Erforschung von Autoimmunkrankheiten gewürdigt

HAMBURG (eb). Mit dem Dr.-Martini-Preis 2009 sind drei junge Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ausgezeichnet worden, und zwar für Arbeiten zu Autoimmunkrankheiten.

Das Kuratorium der Dr.-Martini-Stiftung hat die Auszeichnung in diesem Jahr an die Wissenschaftler Dr. Elke Hennes, Dr. Stefan Lüth und Dr. Samuel Huber von der I. Medizinischen Klinik des UKE vergeben.

Hennes hat mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur schnelleren Diagnose der Autoimmun-Hepatitis geleistet. Die seltene Form der Hepatitis führt ohne rechtzeitige Therapie rasch zur Leberzirrhose. Wird die Erkrankung jedoch in einem frühen Stadium diagnostiziert, ist sie mit Hilfe einer Kombinationstherapie bei fast allen Patienten sehr gut kontrollierbar. Bei Patienten, die rechtzeitig therapiert werden, kommt es nicht zu einer Einschränkung der Lebenserwartung. Allerdings sind die bestehenden Diagnosekriterien der Internationalen Hepatitis Group sehr komplex.

Hennes hat mit ihrem Team einen einfachen Score aus sieben Parametern entwickelt und zudem nachgewiesen, dass mit diesem Score die Diagnose der Autoimmun-Hepatitis schnell und zuverlässig möglich ist. Sie hat damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Behandlung geleistet, wie die Stiftung mitteilt.

Dr. Stefan Lüth und Dr. Samuel Huber haben sich mit der immunologischen Bedeutung der Leber beschäftigt und dabei eine mögliche Therapie für Autoimmunerkrankungen gefunden. Bekanntlich muss das Immunsystem zwischen harmlos und gefährlich unterscheiden. Gefährlich sind meist körperfremde Substanzen wie Bakterien und Viren, harmlos meist Strukturen des eigenen Körpers, der von den Angriffen des Immunsystems verschont bleiben soll. Bei Autoimmunerkrankungen wie chronischer Polyarthritis, Diabetes mellitus Typ I oder der Multiplen Sklerose ist dieses Gleichgewicht gestört.

Lüth und Huber haben herausgefunden, dass die Leber regulatorische T-Zellen induzieren kann und diese T-Zellen vor einer Autoimmunerkrankung schützen können. Diese schützenden T-Zellen lassen sich gezielt generieren, indem man das spezifische Autoantigen - in diesem Fall das körpereigene Myelin-basische Protein MBP - in der Leber exprimiert. Möglicherweise ist dies ein neuartiger Ansatz zur Prophylaxe und Therapie bei multipler Sklerose, wie auch bei anderen Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel bei Diabetes mellitus, chronischer Polyarthritis oder Vitiligo.

Nach Angaben von Professor Ansgar W. Lohse, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung sind beide ausgezeichneten Arbeiten bedeutende Fortschritte in der Erforschung von Autoimmunerkrankungen. Sie seien beispielhaft für zwei unterschiedliche Arten klinischer Forschung: die Arbeit von Lüth und Huber sei eine Grundlagenarbeit, die ein neues Verständnis ermöglicht und die Perspektive völlig neuartiger Therapien von Autoimmunerkrankungen eröffnet. Die Arbeit von Hennes dagegen habe schon heute die klinische Praxis verändert und helfe, die Erkrankung korrekt zu erkennen und die Patienten zu behandeln.

Mit dem Dr.-Martini-Preis, der bereits im Jahre 1880 von Hamburger Kaufleuten gestiftet wurde, werden jedes Jahr hervorragende Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet, die in Hamburger Krankenhäusern tätig sind und sich mit klinischer Grundlagenforschung und neuen Therapieansätzen beschäftigen. In diesem Jahr ist er mit 4500 Euro dotiert.

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