Ärzte Zeitung, 10.06.2009

Kahle Beine waren die Folge von Neuropathie

Kahle Beine und Unterarme können bei Diabetikern Hinweise auf eine Neuropathie sein. Ursache für den Haarausfall sind trophische Störungen.

Von Thomas Meißner

Bei einem 72-jährigen Diabetiker waren zunächst die unbehaarten Beine aufgefallen. Nervenschäden und Ernährungsstörungen haben die Haarfollikel beeinträchtigt. Fotos (4): I. Harsch

ERLANGEN. Nach langjährigem Diabetes mellitus führen Mangelversorgung und Nervenschädigung in der Haut und den Hautanhangsgebilden zu Ernährungsstörungen, unter anderem der Haarfollikel. Daran hat Privatdozent Igor Alexander Harsch aus Erlangen erinnert (MMW 16, 2009, 5).

Harsch beschreibt die Krankheitsgeschichte eines 72-jährigen Mannes, der seit über 30 Jahren an Typ-2-Diabetes erkrankt ist. Inzwischen hatten sich bei dem Patienten eine Nephropathie, Retinopathie und Neuropathie der Füße und Unterschenkel entwickelt. Bei der klinischen Untersuchung waren die kahlen Unterschenkel aufgefallen.

Auch am Unterarm des Patienten gibt es kaum noch Haare. Fotos (4): I. Harsch

Auf Nachfrage gab der Patient an, dass die Behaarung dort in den vergangenen zwei Jahren ausgegangen sei und auch an den Unterarmen abgenommen habe. Eine arterielle Verschlusskrankheit bestand ebenso wenig wie ein Hypogonadismus. Zudem klagte der Patient über Kribbelparästhesien. Damit war der Haarausfall mit großer Wahrscheinlichkeit als Diabetes-Folge zu interpretieren.

Diese trophische Störung bei Diabetikern kann sich außerdem als Brüchigkeit der Fuß- und Fingernägel und pergamentartiger Veränderung der Haut äußern. Nach zehnjähriger Krankheitsdauer habe etwa jeder dritte Diabetiker solche Störungen, so Harsch. Der genaue Entstehungsmechanismus sei nicht bekannt.

Prinzipiell unterscheiden muss man bei der diabetischen Neuropathie Schäden an motorischen, sensorischen und autonomen Nerven. Veränderungen des autonomen Nervensystems betreffen einerseits das Gefäßsystem, wobei bevorzugt Vasokonstriktionen auftreten, andererseits die Haut mit Anhidrosis und Hypohidrosis. Die Haut wird trocken und weist Rhagaden auf. Fissuren sollten unbedingt verhindert werden, weil sie Ausgangspunkt für Mykosen und bakterielle Infektionen sowie für Ulzera sind.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Borderline und Psychosen "heilen" mit Antiepileptika

Manche psychisch Kranken brauchen keine Neuroleptika, sondern Antikonvulsiva. Tauchen im EEG bestimmte Muster auf, ist das ein Hinweis auf eine paraepileptische Psychose. mehr »

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht. mehr »

PKV muss für unverheiratete Paare zahlen

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe ist die Beschränkung der Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung auf Ehepaare in der PKV unzulässig. mehr »