Ärzte Zeitung online, 18.06.2009

Spritze soll Diabetikern das Augenlicht retten

NÜRNBERG(dpa). Jeden Tag erblinden in Deutschland 27 Diabetiker - doch eine neue Behandlungsmethode kann Augenärzten zufolge vielen Betroffenen die Sehkraft zurückbringen. "Die Spritze gegen Altersblindheit kann man mit ganz großem Erfolg auch bei starker Wasseransammlung in der Netzhautmitte einsetzen", sagte der Präsident der Deutschen Augenchirurgen, Armin Scharrer, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Auf dem Kongress der Augenspezialisten vom 18. bis 21. Juni in Nürnberg soll das neue Verfahren den 5000 internationalen Teilnehmern erläutert werden.

Wenn sich der Blutzucker von Diabetikern im Tagesverlauf stark verändert, erkrankt die Netzhaut. In der milden Form kommt es zu punktförmigen Blutungen oder Aussackungen von Gefäßen. Bei der schwereren Form bilden sich laut Scharrer neue Gefäße in der Netzhaut. Das Bindegewebe fängt an zu wuchern, im Extremfall kann es sogar die Netzhaut abziehen. In beiden Fällen sammelt sich oftmals Wasser an der Stelle des schärfsten Sehens an. Betroffen seien davon etwa 400 000 Menschen in Deutschland, erläuterte Scharrer. Vielen von ihnen drohe die Erblindung.

Bislang habe man die Sehprobleme nur im Anfangsstadium per Laser behandeln können, sagte Scharrer. Eine neue, im vergangenen Jahr getestete Behandlungsmethode könne bei gut der Hälfte der Betroffenen die Sehkraft wieder deutlich verbessern. "Da wird im Op-Saal unter aseptischen Bedingungen ein spezielles Medikament in den hinteren Glaskörperraum gespritzt. Dieses Medikament führt dazu, dass die Netzhautmitte innerhalb von Tagen trocken wird und der Patient wieder besser sieht."

Nicht nur Ärzte und Patienten, auch die Krankenkassen hätten bereits positiv auf die Ergebnisse der Tests an Patienten reagiert. "Die Methode ist noch nicht offiziell zugelassen, aber klinisch bereits anerkannt", sagte Scharrer. Er rechne mit einer Zulassung binnen eines Jahres.

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