Ärzte Zeitung, 15.12.2009

Kommentar

Das IQWiG und seine Logik

Von Heinz Dieter Rödder

Der neue Abschlussbericht des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - dieses Mal zur Zuckerselbstmessung bei Typ-2-Diabetikern, die kein Insulin spritzen - bietet keinerlei Überraschung.

In seiner bekannten und überaus logischen Argumentation hat das Institut wieder einmal festgestellt, dass Studien, die sechs bis zwölf Monate gelaufen sind, keine Zehn- bis 30-Jahres-Daten liefern können. Erst aus solchen Langzeitdaten ließen sich dann die Spätfolgen des Typ-2-Diabetes anhand von harten klinischen Endpunkten ermitteln: Schlaganfällen, Herzinfarkten, vorzeitigen Todesfällen. Dabei gibt es keinen Zweifel, dass erhöhte Blutzuckerwerte bereits bei Kindern mit Typ-2-Diabetes die Gefäße schädigen.

Was tun wir also beim Thema Blutzuckerselbstmessung, solange wir diese Langzeitdaten nicht haben? Nichts, jedenfalls nichts auf Kosten der Kassen, so die Empfehlung des IQWiG in Richtung Gemeinsamer Bundesausschuss.

Bei vielen Diabetologen stößt das auf Unverständnis. Sie verweisen mit Recht darauf, dass die Zuckerselbstmessung Standard im Diabetes-Management ist, so wie es Standard für Hypertoniker ist, den Blutdruck selbst zu messen. Oder wird das bald auch nicht mehr empfohlen?

Lesen Sie dazu auch:
Zuckerselbsttests - IQWiG reichen Studien nicht aus
IQWiG sieht keinen Nutzen der Zuckerselbstmessung

 

[15.12.2009, 21:55:25]
Uwe Schneider 
Evidenz ohne Innovationsfeindlichkeit
Evidenz ist wichtig. Langzeitstudien daher auch. Aber man darf die Evidenzanforderungen nicht so hoch treiben, dass sie innovationsfeindlich werden. Am Beginn einer Entwicklung kann man noch keine allzu hohe Evidenz fordern. Und will man GKV-Patienten wirklich 10-30 Jahre von einer Innovation ausschließen, bis entsprechend hohe Evidenz vorliegt? zum Beitrag »

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