Ärzte Zeitung online, 29.06.2010

Diabetes-Arznei vom Gemüsebeet

NEU-ISENBURG (eb). Bittergurken senken den Blutzucker und unterstützen die Gewichtsreduktion, wie Forscher der Universität Gießen und des Internationalen Gemüseforschungszentrums AVRDC jetzt herausgefunden haben. Mit neuen Anbaumethoden soll jetzt das antidiabetische Potenzial des Gemüses gesteigert werden.

Diabetes-Arznei vom Gemüsebeet

Bittergurken werden in der aryurvedischen Medizin bei Diabetes verwendet.

© Silvia Bogdanski / fotolia.com

Besonders in Entwicklungsländern könnten Diabetiker künftig von dem alten Heilmittel aus der ayurvedischen Medizin profitieren, sagt Professor Michael Krawinkel von der Universität Gießen. Der Forscher hat die Wirksamkeit von Bittergurke bei Mäusen mit Diabetes untersucht. Bereits nach fünf Wochen hatten die so gefütterten Tiere weniger zugenommen und auch einen niedrigeren Blutzuckerspiegel als Mäuse einer Kontrollgruppe, berichtet der Forscher in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

Weiter wurden verschiedener Teile des Gemüses verfüttert, um die Wirksamkeit der einzelnen Fraktionen beurteilen zu können. Dabei handelt es sich um die Lipid-, die Saponin- und die hydrophile Fraktion. Die Saponine wirkten vor allem gewichtssenkend, die Lipide senkten den Blutzuckerspiegel. Und zwar im Schnitt um 15 Prozent. "Das ist vor allem wichtig, um Spätschäden durch Diabetes zu vermeiden", so Krawinkel. "Außerdem eignet sich die Bittergurke hervorragend zur vorbeugenden Behandlung."

Vom AVRDC in Taiwan erhielt Krawinkel auch die getesteten Gemüsesorten. Insgesamt hat das AVRDC in seiner Genbank etwa hundert verschiedene Bittergurkensorten, die jetzt in einem zweiten Schritt auf ihre Diabeteswirksamkeit untersucht werden sollen. Gleichzeitig wollen die Forscher auch herausfinden, mit welchen Anbautechniken die Wirkung am besten unterstützt werden kann, um so das natürliche Potenzial zu steigern. Zudem braucht es fundierte Ernährungskonzepte, denn wie bei jedem anderen Medikament ist auch hier die Dosis wichtig. "So wird in der Literatur beispielsweise auch von Fällen berichtet, in denen Kinder zu Schaden gekommen sind, weil die Bittergurken-Dosis überhöht war."

Ungeklärt ist auch, ob der Bitterstoff weggezüchtet werden kann, ohne die Wirksamkeit zunichte zu machen. Oder ob die Bittergurke besser als Salat oder als gekochtes Gemüse gegessen werden muss, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Die Bittergurke wächst nicht nur in tropischen und subtropischen Breitengraden, sondern auch bei uns in Mitteleuropa. Die Forschungsarbeiten zur Bittergurke werden von der Beratungsgruppe für Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF) der GTZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützt.

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