Ärzte Zeitung, 07.09.2010

Betreuungs-Team und Freiwillige unterstützen Kinder mit Diabetes

Bekommt ein Kind Diabetes, verändert das den Familienalltag. Gefragt ist ein interdisziplinäres Betreuungs-Team.

Von Helga Brettschneider

Betreuungs-Team und Freiwillige unterstützen Kinder mit Diabetes

Blutzuckermessen: Die Behandlung eines Kindes mit Typ-1-Diabetes sollte seinem Lebensrhythmus und dem Rhythmus der Familie angepasst werden und nicht umgekehrt.

© dpa

SULZBACH. Zur Versorgung von Kindern mit Diabetes arbeiten am besten ein pädiatrischer Diabetologe, eine Diabetesberaterin und eine Diätassistentin zusammen, sagt Dr. Jürgen Herwig von der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Zu Beginn kann zudem eine ambulante Krankenschwester Unterstützung bieten, hat er bei der Aufklärungsaktion "Gesünder unter 7" von Sanofi-Aventis in Sulzbach berichtet.

Um mit der belastenden Situation fertig zu werden, ist zudem psychologische Hilfe sinnvoll. Diese brauchen vor allem größere Kinder, wenn sie erkennen, dass ihr Leben anders ist als das ihrer Freunde. Kleinen Kindern fällt das noch nicht auf, sie benötigen eher den Zuspruch ihrer Eltern. Wichtig ist auch der soziale Rahmen. Kindergärtnerinnen und Lehrern muss die Erkrankung bekannt sein, damit sie in kritischen Situationen daran denken. Etwa bei Erschöpfung im Sport oder beim Verzehr von Traubenzucker im Unterricht.

Die Therapie der Kinder richtet sich unter anderem nach der Diabetesphase. Sie ist einfacher umsetzbar, solange eine Restsekretion an Insulin dabei hilft. Auch Alter und Entwicklungsstand sind wichtig - kleine Kinder etwa fürchten sich oft vor Spritzen. Das Blutzuckermessen dagegen mache ihnen meist nichts aus, so Herwig.

Generell sollte die Behandlung dem Lebensrhythmus des Kindes und der Familie angepasst werden und nicht umgekehrt. Ziel ist die ungestörte körperliche und seelische Entwicklung bei möglichst guter Stoffwechseleinstellung (HbA1c unter 7 Prozent, mindestens unter 7,5) und ohne schwere Hypoglykämien oder Ketoazidosen.

Derzeit leben in Deutschland 25 000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren mit Typ-1-Diabetes. Betroffenen Familien, die Hilfe brauchen, kann die Stiftung Dianino eine Diabetes-Nanny vermitteln. 400 solcher freiwilligen Helferinnen und Helfer sind bundesweit im Einsatz, berichtete Dr. Béla Bartus aus Überlingen.

Die von einer betroffenen Mutter gegründete Initiative unterstützt Eltern und Kinder in Absprache mit dem Arzt auch bei Klinikaufenthalten und bei Diabetesschulungen. Oder sie hilft, wenn die Mutter eines Kindes ausfällt, bis andere Hilfen greifen. Denn in den meisten Familien sind es die Mütter, die sich um die Behandlung der Kinder kümmern.

www.stiftung-dianino.de
Telefon-Hotline Dianino: 0180 / 2000 193

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