Ärzte Zeitung, 07.10.2010
 

Plädoyer für Screening auf Gestationsdiabetes

Schwangere sollten auf Gestationsdiabetes getestet und gegebenenfalls früh behandelt werden. Besonders Kindern werden so erhebliche Gesundheitsrisiken erspart.

Plädoyer für Screening auf Gestationsdiabetes

Bei Schwangeren sollte die Kontrolle von Blutzucker und HbA1c-Wert engmaschig erfolgen.

© Astroid / fotolia.com

MÜNCHEN (ikr). In einer Studie hatten Kinder von Müttern mit Gestationsdiabetes im Alter von 14 bis 17 Jahren einen BMI von durchschnittlich 24,6, Kontrollkinder einen BMI von 20,9. Die Adipositas-Rate im Teenageralter korrelierte signifikant mit dem Fruchtwasser-Insulinspiegel der Mütter während der Schwangerschaft, wie Professor Ekkehard Schleußner vom Uniklinikum Jena beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in München berichtet hat.

Und: 36 Prozent der Kinder von diabetischen Müttern mit erhöhtem Fruchtwasser-Insulinspiegel hatten im Alter zwischen 10 und 16 Jahren eine gestörte Glukosetoleranz, aber nur etwa fünf Prozent der Kinder von diabetischen Müttern mit normalem Fruchtwasser-Insulinspiegel, berichtete Schleußner. Allen Schwangeren sollte daher ein oraler Glukosetoleranztest ans Herz gelegt werden. Bei anamnestisch unauffälligen Frauen ist der Test bisher ein IGeL-Angebot.

Im Jenaer Kompetenzzentrum Diabetes und Schwangerschaft wird die Betreuung bei Gestationsdiabetes erfolgreich umgesetzt. In einer Studie wurden 125 Schwangere mit Gestationsdiabetes speziell betreut. Dazu gehörten die engmaschige Kontrolle von Blutzucker und HbA1c-Wert. Ergebnis: Die Kinder von Frauen mit gestörter Glukosetoleranz oder Gestationsdiabetes zeigten im Vergleich zu den Nachkommen von 102 gesunden Schwangeren keine erhöhte perinatale Morbidität.

Gestationsalter und Geburtsgewicht waren in beiden Gruppen ähnlich. Und es gab keine signifikanten Unterschiede bei APGAR-, pH-, Bilirubin- und Glukosewerten. Die Makrosomierate war mit 10 Prozent bei den Frauen mit gestörter Glukosetoleranz oder Gestationsdiabetes sogar tendenziell niedriger als bei Gesunden (knapp 12 Prozent). Bei einer Nachuntersuchung im Alter von sechs Jahren hatte keines der Kinder eine gestörte Glukosetoleranz.

Ein Gestationsdiabetes führt unbehandelt nicht nur häufig zu Kindern mit zu niedrigem oder zu hohem Geburtsgewicht (Makrosomie) mit entsprechenden geburtshilflichen Komplikationen wie Schulterdystokie. Auch das Risiko für Übergewicht, Adipositas, gestörte Glukosetoleranz und Typ-2-Diabetes ist nach den Ergebnissen von Studien erhöht.

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[08.10.2010, 17:54:22]
Dr. Nabil Deeb 
Der Zusammenhang zwischen dem Insulinstoffwechsel, Gestationsdiabetes und dem Mammakarzinom. !


The relationship between the metabolism of insulin, gestational diabetes and breast cancer.!



Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Ärzteverein e.V.



Der Zusammenhang zwischen dem Insulinstoffwechsel und dem Mammakarzinom:

Bis zu 16 % der Brustkrebspatientinnen, die älter als 65 Jahre alt sind, leiden an Diabetes mellitus. In einer rezenten Metaanalyse zur Koinzidenz von Diabetes (meist Typ-2Diabetes) und Brustkrebs bestand in 15 von 20 Studien ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Diabetikerinnen, wobei dieser Unterschied bei 8 Studien statistisch signifikant war (Larsson et al., Int J Cancer 2007). In zwei Arbeiten zum Mammakarzinomrisiko bei Patientinnen mit Gestationsdiabetes konnte ebenfalls eine Erhöhung dieser Tumorart festgestellt werden (Perrin et al., Breast Cancer Res Treat 2008; Dawson et al., Cancer 2004). Ein Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes und Brustkrebs dürfte allerdings nicht bestehen (Hjalgrim H et al., J Intern Med 1997; Zendehdel et al., J Natl Cancer Inst 2003). Der Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Diabetes ist allerdings nach wie vor nicht zur Gänze geklärt. Diabetes könnte das Mammakarzinomrisiko direkt auf Molekularebene erhöhen, indem er den Level der endogenen Sexualhormone verändert und den Insulin-like growth factor I (IGF-I) und die Insulin-signaling-pathways aktiviert . Aber auch indirekt könnte Diabetes das Mammakarzinom beeinflussen, indem er durch die Schädigung von Organen eventuell zu einer anderen Therapiestrategie, einer schlechteren Therapieverträglichkeit und dadurch zu einem schlechteren Ausgang führt. Insulin stimuliert die Zellproliferation sowohl in Zelllinien von normalem Brustgewebe als auch von Brustkrebszelllinien. Es konnte auch gezeigt werden, dass exogen zugeführtes Insulin das Wachstum von Brustkrebs im Tiermodel stimuliert. In einer rezent publizierten Arbeit wurden von 816 postmenopausalen Brustkrebspatientinnen Insulinspiegel, Nüchternblutzucker, IGF-I (gesamt und frei), IGF-binding Protein-3 sowie Estradiol bestimmt (Gunter et al., J Natl Cancer Inst 2009). Der Insulinspiegel sowie der endogene Estradiolspiegel waren in dieser Arbeit positiv mit dem Brustkrebsrisiko assoziiert (HR = 1,46; p = 0,02), wobei sich die Assoziation zwischen dem Brustkrebsrisiko und dem Insulinspiegel signifikant unter Patienten mit Hormonersatztherapie unterschieden. In einem multivariaten Model mit mehreren Brustkrebsrisikofaktoren konnte ein Zusammenhang zwischen Insulin und Brustkrebsrisiko lediglich bei Patientinnen ohne Hormonersatztherapie gefunden werden. Die Höhe des Blutzuckerspiegels sowie die der bestimmten restlichen Serumparameter zeigten keinen Zusammenhang mit dem Mammakarzinomrisiko.


Mammakarzinom :-

Nicht nur das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, scheint erhöht zu sein. Daten sprechen auch dafür, dass Diabetiker/innen ein fortgeschritteneres Stadium bei Erstdiagnose sowie eine erhöhte Mortalität haben (Peairs et al., Proc Am Soc Clin Oncol 2008; Lipscombe et al., Breast Cancer Res Treat 2008), wobei dies mehrere Gründe haben dürfte: der erhöhte Insulinspiegel, schlechteres Screening bei Diabetespatienten, weniger aggressive Tumortherapie sowie die Diabetes-assoziierten Komorbiditäten.


Chemotherapie:

Eine eben erschienene Arbeit (Srokowski et al., J Clin Oncol 2009) beschreibt den Einfluss von Diabetes mellitus auf die Komplikationen einer adjuvanten Chemotherapie bei älteren Patienten (Männer und Frauen) mit Mammakarzinom. Es wurden 70.781 Patienten mit Brustkrebs (Stadium I-III) analysiert, von denen 14.414 (20 %) Diabetiker waren. Von 22.826 Patienten, die Chemotherapie erhielten, waren 21 % Diabetiker. Diese erhielten weniger oft Anthracyclin- oder Taxan-hältige Chemotherapien. Weiters hatten chemotherapeutisch behandelte Patienten mit Diabetes ein erhöhtes Risiko, aufgrund von Nebenwirkungen hospitalisiert zu werden. Bei Brustkrebspatienten, die auch an Diabetes litten, zeigte sich in dieser Analyse eine erhöhte Gesamtmortalität. Diabetiker, die keine Chemotherapie erhielten, hatten zwar die gleiche Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben wie Nichtdiabetiker, bei Erhalt von Chemotherapie allerdings eine höhere Wahrscheinlichkeit, am Tumor zu versterben. Eine mögliche Begründung dafür könnte sein, dass Diabetiker eine weniger aggressive Therapie erhalten und, falls eine Anthracyclin oder Taxan-hältige Chemotherapie gewählt wird, diese eventuell aufgrund der Komorbiditäten dosisreduziert verabreicht wird. Eine weitere Erklärung könnte sein, dass Krebspatienten mit Diabetes, die in dieser Arbeit weniger gebildet waren, aus ärmeren Verhältnissen kamen, mehr Komorbiditäten hatten und eine geringere Compliance bei einer Behandlung mit einer oralen endokrinen Therapie zeigten. Bei Diabetikern, die eine Chemotherapie erhalten, müssen engmaschige Blutzuckerkontrollen durchgeführt werden, da in der üblichen Prämedikation Glukokortikoide, die eine Hyperglykämie verursachen können, als Teil der antiemetischen Therapie verabreicht werden.



Metformin :-

Der Antidiabetes-Wirkstoff könnte in der Prävention und der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms wirksam sein.

Metformin hemmt das Wachstum menschlicher Epithelzellen, inklusive Brustkrebszellen, indem es die Adenosin-Monophosphat-Kinase (AMPK) aktiviert. AMPK vermittelt auch die Insulinsensitivierung nach sportlicher Betätigung. Diese Erkenntnisse und der Tatbestand, dass Metformin den Level des insulinähnlichen Peptids IGF ( insulinlike growth factor) senkt, können erklären, warum Diabetes-Patienten, die Metformin einnehmen, ein geringeres Brustkrebsrisiko aufweisen im Vergleich zu Patienten, deren Diabetes mit anderen Wirkstoffen behandelt wird und warum außerdem Diabetes-Patienten, die Metformin einnehmen und bei denen ein Brustkrebs diagnostiziert wurde, bessere Heilungs- und Überlebens-Chancen haben.


Der Zusammenhang zwischen dem Insulinstoffwechsel, Gestationsdiabetes und dem Mammakarzinom .


The relationship between the metabolism of insulin, gestational diabetes and breast cancer.

La relation entre le métabolisme de l'insuline, le diabète gestationnel et le cancer du sein.

Förhållandet mellan metabolismen av insulin, graviditetsdiabetes och bröstcancer.

Forholdet mellom metabolismen av insulin, svangerskapsdiabetes,og brystkreft.


Literatur beim Verfasser


Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

Department of Medical Research
Département de la recherche médicale

P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

&

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor

PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

Department of Medical Research
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