Ärzte Zeitung, 14.10.2010

Ein "schlaues Pflaster" zeichnet die Funktion von Organen auf

Messen, was im Körper passiert, ohne dafür Blut abnehmen zu müssen -das ermöglicht ein kleiner Apparat, nicht viel größer als ein Heftpflaster.

Von Angela Speth

Ein "schlaues Pflaster" zeichnet die Funktion von Organen auf

Das pflastergroße Gerät sendet blaues Licht aus, der Marker im Körper antwortet mit grün.

© Rinderspacher

MANNHEIM. Ein winziges Gerät, das von außen die Funktionstüchtigkeit eines Organs bestimmt, haben Forscher der Uni Mannheim vorgestellt. Auf die Haut geklebt, ermittelt es die Konzentration einer zuvor injizierten diagnostischen Substanz. Das Verfahren wäre ein Gewinn zum Beispiel für Diabetiker: Nicht-invasiv ließe sich damit registrieren, inwieweit die Niere in Mitleidenschaft gezogen ist.

Eine Arbeitsgruppe um Professor Norbert Gretz hat das "intelligente Pflaster" als Teil des EU-geförderten Projekts PLACE-it konstruiert. Als Marker injizieren sie Fruchtzuckerketten mit einem angekoppelten Fluoreszenzfarbstoff. Das Gerät sendet nun über die Haut mit einer Leuchtdiode in kurzen Abständen ein blaues Lichtsignal. Vom Körpergewebe aus gibt der Farbstoff mit grünem Licht eine Rückmeldung, die das "Pflaster" per Fotodiode empfängt und mit einem eingebauten Sender an einen Computer weiterleitet. Je stärker das Signal, um so mehr Kontrollsubstanz ist noch vorhanden - soviel also hat das Organ bis zu diesem Zeitpunkt eliminieren können. Mit jedem Molekül, das die Niere ausscheidet, wird das grüne Licht schwächer. So entsteht eine Verlaufsgrafik, die auf einer lichtgesteuerten Kommunikation zwischen der Leiterplatte in der Mini-Apparatur und dem Marker im Körper beruht.

Entspricht die Kurve der Norm, ist das ein Beleg für die Funktionsfähigkeit der Niere. Herkömmlich sind für solche Untersuchungen regelmäßige Blutabnahmen nötig. Das Verfahren habe sich sowohl bei gesunden als auch bei eingeschränkt leistungsfähigen Organen als valide erwiesen, heißt es in einer Mitteilung der Universitätsmedizin Mannheim. Es handele sich um eine Plattformtechnologie, die sich auch auf andere Anwendungsgebiete übertragen lasse.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »