Ärzte Zeitung, 08.11.2010
 

Vitamin-D-Analogon: Schutz für die Nieren von Diabetikern?

GRONINGEN (ob). Paricalcitol, ein Aktivator des Vitamin-D-Rezeptors, ist anscheinend in der Lage, bei Patienten mit diabetischer Nephropathie die Albuminausscheidung zu verringern.

Belege dafür liefert die jetzt publizierte VITAL-Studie der Arbeitsgruppe um Dr. Dick de Zeeuw in Groningen (Lancet 2010; 376: 1543). Die Forscher haben 281 Typ-2-Diabetiker mit Albuminurie über 24 Wochen mit Placebo oder Paricalcitol (1 μg oder 2 μg pro Tag) zusätzlich zur Therapie mit ACE-Hemmern oder AT1-Rezeptorblockern behandelt. Die Wirksamkeit der geprüften Therapien wurde anhand der Veränderung des mittleren Albumin/Kreatinin-Quotienten im Urin (primärer Endpunkt) als Maß für die Albuminurie beurteilt.

In der Placebogruppe war nur eine minimale Reduktion dieses Quotienten um 3 Prozent zu verzeichnen. Die Analyse der kombinierten Daten beider Paricalcitol-Gruppen ergab zwar eine stärkere Reduktion um 16 Prozent, die aber statistisch nicht signifikant war.

Wurden beide Paricalcitol-Gruppen hingegen separat analysiert, erfüllte das Ergebnis zumindest in einer Gruppe auch die statistischen Ansprüche: Bei den mit der höheren Paricalcitol-Dosis behandelten Diabetikern nahm der Albumin/Kreatinin-Quotient signifikant um 20 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert ab.

Vitamin-D-Analoga wie Paricalcitol werden in der Therapie primär dafür genutzt, um bei Patienten mit Nierenerkrankung und sekundärem Hyperparathyreoidismus die erhöhten Parathormon-Spiegel zu senken.

In einer placebokontrollierten Studie bei entsprechenden Patienten war aufgefallen, dass der Anteil der Studienteilnehmer mit signifikanter Reduktion der Proteinurie in der Paricalcitol-Gruppe signifikant höher war als unter Placebo. In präklinischen Studien konnte mit diesem Vitamin-D-Analogon die Albuminurie verringert und die Progression der Nierenschädigung verlangsamt werden.

Nach Ansicht der Autoren ermutigen die Daten dazu, nun eine große Langzeitstudie mit klinischen Ereignissen als Endpunkte in Angriff zu nehmen. Nur so lasse sich klären, ob mit Paricacitol ein wirklicher Fortschritt in der Behandlung bei diabetischer Nephropathie zu erreichen ist.

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