Ärzte Zeitung, 13.02.2012

Diabetes bleibt in Kliniken oft unerkannt

Wegen der hohen Rate von unerkanntem Diabetes setzen sich Diabetologen für systematische Blutzucker-Tests bei der stationären Aufnahme von Patienten ein.

Diabetes bleibt in Kliniken oft unerkannt

Blutzuckermessung in der Klinik: Nur wenige Krankenhäuser in Deutschland haben eine diabetologische Expertise.

© Anetta Romanenko / fotolia.com

BERLIN (eb). "Wir schätzen, dass bis zu 30 Prozent aller Klinikpatienten einen Diabetes haben", sagt Professor Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Stationär behandelt wurden im Jahr 2007 insgesamt 17,2 Millionen Patienten.

"Krankenhausstatistiken erwähnen die Diagnose Diabetes mellitus bei etwa 1,3 Prozent der Patienten als Hauptdiagnose und nur bei etwa zwölf Prozent als Nebendiagnose", so der Diabetologe in einer Mitteilung der DDG.

Die DDG geht davon aus, dass die meisten unerkannten Diabetes-Erkrankungen im Krankenhaus nicht auffallen. Unbehandelter Diabetes ist für die Patienten jedoch ein Sicherheitsrisiko: Stress, Nahrungsentzug vor Operationen, künstliche Ernährung und nicht zuletzt Arzneien können den Blutzucker von Diabetikern schnell entgleisen lassen.

"Jede Diabetes-Komplikation erhöht die Behandlungskosten"

Ein nicht diagnostizierter Diabetes ist dabei nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für die Klinik von Nachteil: "Jede Diabetes-Komplikation erhöht die Behandlungskosten. Die Liegezeiten von Diabetikern sind meist länger als bei anderen Patienten", berichtet Privatdozent Erhard Siegel, Vizepräsident der DDG.

Der Diabetologe vom St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg hat deshalb mit Kollegen Fortbildungsmaterialien für Krankenhäuser entwickelt. Dazu gehört ein Kompendium, das Klinikärzten die Diagnose und Therapie der Erkrankung erleichtern soll.

Denn an vielen Kliniken fehlen Diabetes-Experten. "Von den 2087 Krankenhäusern in Deutschland haben nur gut zehn Prozent eine Anerkennung der DDG als Behandlungs einrichtung", so Siegel.

Fachgerechte Therapie von Patienten verhindert Komplikationen

Um den Kliniken die Einführung eines professionellen Managements für Diabetiker zu erleichtern, werden eintägige Workshops angeboten. Daran nehmen nicht nur Ärzte, sondern auch Klinikmanager teil. Diese möchte Siegel von den wirtschaftlichen Vorteilen des Projekts überzeugen.

Denn die fachgerechte Therapie von Patienten mit Diabetes verhindert Komplikationen, die den Krankenhausaufenthalt verlängern.

Nach Angaben von Siegel wurde im Krankenhaus in Bad Soden am Taunus ein "Diabetes-spezifisches Struktur- und Prozessmanagement" (DSPM) bereits erfolgreich umgesetzt. Ein Blutzucker-Screening aller Patienten erhöhte den Anteil der dort registrierten Diabetiker von neun auf 25 Prozent. Unter der konsequenten Behandlung konnte der HbA1c deutlich gesenkt werden, ohne das Budget der Klinik zu belasten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »