Diabetes

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Ärzte Zeitung, 13.05.2013

Depressive Diabetiker

Psychotherapie soll den Blutzucker senken

Bei Diabetikern sind psychische Belastungen oft Barrieren für eine gute Therapie. Jetzt soll ein neues Versorgungsprojekt die Barrieren abbauen - und den Blutdruck senken.

Von Ingeborg Bördlein

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Diabetiker mit Depressionen vernachlässigen meist die Therapie gegen die Stoffwechselkrankheit. Eine Kurzzeitpsychotherapie soll jetzt helfen.

© JPC-PROD/Fotolia.com

HEIDELBERG. Chronisch Kranke mit ausgeprägter psychosozialer Belastung werden in der Regelversorgung nicht ausreichend berücksichtigt, sagt Professor Johannes Kruse aus Gießen.

Um die Behandlungsbarrieren und die diabetesbezogenen emotionalen Belastungen zu reduzieren, wird jetzt das niedrigschwellige Versorgungsmodell psy-PAD geprüft.

Bei der Kurzzeitpsychotherapie arbeiten diabetologische Schwerpunktpraxen mit konsiliarisch tätigen psychosomatischen Ärzten oder Psychotherapeuten zusammen, wie Kruse beim Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Heidelberg berichtet hat.

Zur Evaluation des Modells werden jetzt 200 Patienten mit Typ-2- Diabetes und problematischer Stoffwechseleinstellung (HbA1c-Wert über 7,5 Prozent) sowie hoher krankheitsbezogener emotionaler Belastung in eine kontrollierte Studie aufgenommen.

Patienten der Interventionsgruppe werden mit dem speziellen psychosomatischen Therapiekonzept behandelt. Mit jedem Patienten werden dabei individuelle Therapieziele vereinbart und die Patienten bei der Umsetzung der Therapie unterstützt.

Die psychosomatische Behandlung zielt vor allem auf Affektentlastung, Stabilisierung des Selbstwertgefühls, Achtsamkeit und Förderung des Genusserlebens. Patienten der Kontrollgruppe erhalten die übliche optimierte Standardversorgung.

120 Patienten bereits rekrutiert

Untersucht wird, ob sich mit der zusätzlichen Kurzzeitpsychotherapie die Lebensqualität und die Stoffwechseleinstellung (HbA1c und Blutdruck) der Patienten verbessern lässt.

Auch wird geprüft, ob die zusätzlichen Kompetenzen der Praxen die Arbeitszufriedenheit der Ärzte erhöht. Und schließlich wird untersucht, ob die Zusatz-Behandlung kosteneffektiv ist.

Nach Angaben des Projektleiters sind inzwischen 120 Patienten in zehn diabetologischen Schwerpunktpraxen im Raum Gießen, Marburg und Wetzlar für die Studie rekrutiert worden.

Die niedergelassenen Diabetologen hätten ein sehr großes Interesse an der Zusammenarbeit signalisiert, so Kruse. Sie begrüßten es sehr, das psychosomatische Zusatzangebot für ihre Patienten in den Praxisalltag integrieren zu können.

Dass eine psychische Komorbidität nicht nur die Lebensqualität und den Behandlungserfolg schmälern kann, sondern auch das Sterberisiko erhöht, hat die Forschergruppe um Kruse in einer Metaanalyse von sechs großen Langzeitstudien bei Diabetes-Patienten herausgefunden.

Die Patienten hatten außer Diabetes eine Depression oder eine posttraumatische Belastungsstörung. Nach Angaben von Kruse war die Sterberate in dieser Gruppe im Vergleich zu Patienten ohne psychische Komorbidität um mehr als das Doppelte erhöht.

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