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Ärzte Zeitung, 23.05.2013

Diabetes plus KHK

Optimale Prävention noch die Ausnahme

Gerade bei Diabetikern mit KHK sollten in der Sekundärprävention möglichst alle Register gezogen werden. Das geschieht aber selbst in klinischen Studien noch relativ selten.

Von Peter Overbeck

Optimale Prävention noch die Ausnahme

Blutdruck im Zielbereich? Bei vielen Diabetikern muss die antihypertensive Therapie intensiviert werden.

© ArTo / fotolia.com

NEW YORK. Therapeutische Ansatzpunkte, um kardiovaskulären Ereignissen vorzubeugen, gibt es viele bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Koronarerkrankung.

Dazu zählt insbesondere die Normalisierung von Blutdruck-, Cholesterin- und Blutzuckerwerten. Wichtig ist zudem der Verzicht auf Tabakrauchen.

Wie konsequent werden die dazu in den Leitlinien gegebenen Empfehlungen in der Praxis umgesetzt? Zur Klärung dieser Frage hat eine Forschergruppe Daten aus drei großen Studien gepoolt, an denen entweder ausschließlich oder als Teilpopulation Patienten mit Typ-2-Diabetes plus KHK beteiligt waren (J Am Coll Cardiol. 2013; 61: 1607-1615).

In der COURAGE-Studie, in der eine optimale medikamentöse Therapie (OMT) mit einer OMT plus perkutaner Koronarintervention (PCI) verglichen wurde, stellten Diabetiker rund ein Drittel der Population.

Die beiden anderen Studien (BARI-2, FREEDOM) waren ausschließlich Diabetikern vorbehalten, wobei es jeweils um die Frage nach der besten Methode der Revaskularisation (PCI versus Bypass-Op) ging. Daten von mehr als 5.000 Diabetikern mit KHK kamen so zusammen.

Die Forscher analysierten dann die Anteile der Patienten, die in puncto Blutdruck, LDL-Cholesterin, HbA1c und Nikotinabstinenz gut eingestellt waren.

"Polypille" zur kardiovaskulären Prävention

Dabei machten sie durchaus erfreuliche Beobachtungen. So erhöhte sich in der COURAGE-Studie der Anteil der Patienten, die mit ihrem LDL-Cholesterin im Zielbereich (< 100 mg / dl) lagen, innerhalb eines Jahres von 55 auf 77 Prozent.

In BARI-2 kletterte diese Quote von 59 auf 75 Prozent. In der FREEDOM-Studie, in der ein strikterer LDL-Zielwert (< 70 mg / dl) vorgegeben war, gab es einen Anstieg von 34 auf 42 Prozent. Ähnliche Trends waren bei der Blutdruck- und HbA1c-Einstellung sowie beim Rauchverzicht zu beobachten.

Getrübt wurde die Freude darüber aber durch die sehr bescheidene Quote jener Patienten, deren Behandlung die Ansprüche komplett erfüllte: Nur bei 18 Prozent der Diabetiker war es gelungen, gleichzeitig alle vier Risikofaktoren den Leitlinien entsprechend zu verändern - und das unter den für die medizinische Versorgung eigentlich besonders günstigen Bedingungen von randomisierten Studien.

Die Autoren wollen es nicht bei einer Zustandsbeschreibung belassen. Der relativ bescheidene Erfolg bei der umfassenden Modifikation von Risikofaktoren sollte nach ihrer Ansicht "neue Paradigmen" zur Konsequenz haben.

Sie denken dabei etwa an das derzeit geprüfte Konzept der "Polypille". Dabei wird das Ziel verfolgt, durch Kombination etwa von Blutdrucksenkern, Plättchenhemmern und Statinen in einer Tablette die kardiovaskuläre Prävention zu verbessern.

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