Ärzte Zeitung online, 28.10.2013

Schottische Analyse

Typ-1-Diabetiker leben länger

Menschen mit einem Typ-1-Diabetes leben heute länger als noch vor einigen Jahren. Möglich machen es Fortschritte im Management der Erkrankung. Doch es gibt noch viel Raum für Verbesserungen.

Von Veronika Schlimpert

Mehr Lebensjahre für Typ-1-Diabetiker

Rüstig und aktiv bis ins hohe Alter trotz Typ-1-Diabetes: Vor 20 Jahren war dies nur bei wenigen Patienten der Fall.

© stefanolunardi/shutterstock

BARCELONA. Die Lebenserwartung für Typ-1-Diabetiker ist besser als bisher angenommen. Doch noch immer ist sie geringer als die der Normalbevölkerung. Dieser Unterschied soll und kann aber noch viel geringer werden, forderte Professor Helen Colhoun von der University of Dundee bei der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Barcelona.

Bisher existieren allerdings kaum aktuelle Daten zur Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern. Auf Basis früherer Studien ging man davon aus, dass Typ-1-Diabetiker im Schnitt etwa 20 Jahre kürzer leben als die Normalbevölkerung.

Um diese Annahme zu überprüfen, analysierte die Diabetologin die Daten eines schottischen Diabetes-Registers, in dem fast alle schottischen Typ-1-Diabetiker (99 Prozent) registriert sind.

Die Forscher fokussierten dabei auf die Daten all jener Typ-1-Diabetiker, die im Zeitraum von 2008 bis 2010 mindestens 20 Jahre oder älter waren.

In diesem Zeitraum wurden 24.971 Typ-1-Diabetiker identifiziert, es traten 1079 Todesfälle auf. Die Lebenserwartung wurde geschätzt und mit der der übrigen schottischen Bevölkerung verglichen.

Typ-1-Diabetiker verlieren immer noch 11 bis 14 Jahre

Dabei kam heraus, dass 20- bis 24-jährige Männer oder Frauen mit Typ-1-Diabetes heute im Mittel mit 45,4 oder 46,6 weiteren Lebensjahren rechnen können, 56,5 oder 60,9 verbleibende Lebensjahre sind es bei der übrigen Bevölkerung. Ein Unterschied von 11,1 bzw. 14,3 Jahren also zu Ungunsten der Typ-1-Diabetiker.

Die guten Nachrichten für Typ-1-Diabetiker: Die Lebenserwartung hat sich offenbar im Vergleich zu früher verbessert. Sie ist aber andererseits noch immer deutlich schlechter als in der Normalbevölkerung.

"Diese Daten machen durchaus Hoffnung", sagte Colhoun. Die Prognose-Verbesserung führt sie auf Fortschritte im Diabetesmanagement in den letzten 20 bis 40 Jahren zurück. Eine verbesserte Blutzuckereinstellung hat dabei eine hohe Priorität.

"Unser Ziel muss es aber sein, Typ-1-Diabetiker so zu behandeln, dass sie eine normale Lebenserwartung haben", bekräftigte Colhoun. Bei gut einem Drittel dieser Patienten sei die glykämische Kontrolle mangelhaft.

Etwa 5 Prozent aller Todesfälle gehen bei den Typ-1-Diabetikern noch immer auf das Konto akuter Stoffwechselkomplikationen. Für Colhoun ist eine bessere Blutzuckerkontrolle damit das erste, was es anzupacken gilt.

Außerdem sollte die psychologische Unterstützung nicht außer Acht gelassen, mehr Insulinpumpen genutzt, kardiovaskuläre Risikofaktoren gesenkt und die Rate an Rauchern unter den Diabetikern reduziert werden.

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