Ärzte Zeitung, 27.12.2013
 

Diabetischer Fuß

Zweitmeinung statt Amputation

Muss bei einem Patienten mit Diabetes ein Fuß amputiert werden? Dazu sollten Ärzte immer eine Zweitmeinung einholen. Häufig lässt sich der Eingriff doch noch vermeiden, so eine Studie.

KÖLN. In Deutschland werden bei Diabetikern viel zu häufig Füße amputiert, kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Um die Rate zu reduzieren, haben sich Kliniken des Netzwerks Diabetischer Fuß Köln und Umgebung e. V. verpflichtet, vor jeder Major-Amputation (oberhalb des Sprunggelenks) eine Zweitmeinung einzuholen, und zwar von einem Arzt, der nicht in der Einrichtung angestellt ist. Das Verfahren dazu wurde vertraglich festgelegt und wird aus Mitteln des Netzwerks honoriert.

17 Kliniken in Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach und Frechen führen in der Region Amputationen durch und wurden angesprochen; zehn haben den Vertrag unterschrieben.

Welchen Einfluss die Zweitmeinung dabei auf die Entscheidung zur Amputation hat, wurde jetzt in einer Studie überprüft, berichten Ärzte um Dr. Dirk Hochlenert vom Centrum Diabetologie in Köln in einem Bericht an die DDG. Dazu wurden prospektiv erhobene Daten aus einem Zweijahreszeitraum ausgewertet.

Sechs der Kliniken haben in dieser Zeit Zweitmeinungen für 22 Patienten (zwei Drittel Männer) angefordert. Die Patienten waren 65 bis 83 Jahre alt und hatten 6 bis 26 Jahre Typ-2-Diabetes. Die Wunden hatten vier Wochen bis drei Jahre bestanden.

Bei elf Prozent war die Hauptursache der Wunden eine Polyneuropathie, bei 89 Prozent eine pAVK. Führender Grund für die geplante Major-Amputation war bei sieben Patienten nicht zu stillende Schmerzen, bei elf Patienten eine Sepsis. Bei vier weiteren Patienten bedingten die kranken Beine eine deutlich verschlechterte Lebensqualität; sie waren zum Gehen nicht mehr zu gebrauchen.

Ergebnis: Bei zwölf Patienten bestätigten die externen Ärzte die Indikation zur Major-Amputation, bei den anderen zehn wurde eine Alternative vorgeschlagen: meist Revaskularisation oder palliative Betreuung bei fortbestehender Wunde. In jedem Fall wurde der Zweitmeinung entsprochen. Von den amputierten Patienten starben zwei nach dem Eingriff noch vor Entlassung aus der Klinik.

Bei sechs Patienten (je drei mit Schmerzen oder Sepsis) ließen sich Revaskularisationen vornehmen. Bei einem reichte es aus, mit Antibiotika zu behandeln und die Mumifikation abzuwarten.

Von den vier Patienten mit reduzierter Lebensqualität ließen sich zwei alternativ zur Amputation palliativ versorgen. Einer ist gestorben; es habe ihm aber auch mit einer Amputation nicht mehr geholfen werden können, so Hochlenert.

Fazit: Mit einer externen Zweitmeinung lassen sich Amputationen verhindern, so die Ärzte. Hinweise auf mögliche Schäden durch das Verfahren gab es nicht. Auch Kliniken mit ausgewiesener Expertise haben von den externen Erfahrungen profitiert. (eis)

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