Ärzte Zeitung, 15.05.2015

DDG-Kongress

Diabetes-Gefahr wächst bei Lärm

Neue Studienergebnisse zeigen: Steigt der Pegel des Verkehrslärms um 10 dB, wächst auch das Diabetesrisiko.

BERLIN. Neueste epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass Lärm mit dem Auftreten von Diabetes assoziiert sein könnte. Das meldet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich des Diabetes Kongresses 2015.

Verkehrslärm wurde kürzlich als zweitgefährlichste umweltbedingte Gesundheitsbedrohung nach Luftschadstoffen eingestuft.Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in Westeuropa durch Umweltlärm jährlich mindestens eine Million gesunder Lebensjahre verloren geht.

Epidemiologische Studien haben Zusammenhänge zwischen chronischer Lärmexposition und Beeinträchtigungen des Wohlbefindens, Einschränkungen kognitiver Leistungen, Schlafstörungen, psychischen Erkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gezeigt, heißt es in der Mitteilung der DDG.

Diabetes geht ja mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einher. Demnach könnten Diabetiker besonders empfindlich auf Lärm reagieren. Jüngst wurde akuter Lärm, insbesondere während der Nacht, mit einer erhöhten diabetesbezogenen Sterberate assoziiert.

Dänische Studie mit 57.000 Teilnehmern

Ferner gäbe es erste Hinweise darauf, dass Lärm ebenfalls die Entstehung von Typ-2-Diabetes fördern könnte. In einer dänischen Studie an 57.000 Erwachsenen zeigte sich bei einem Anstieg des Verkehrslärms um 10 dB ein 8-11 Prozent erhöhtes Risiko für Diabetes.

Studien, die einen Zusammenhang zwischen gestörtem Tiefschlaf sowie einer erhöhten Ausschüttung von Glukokortikoiden mit gestörter Glukoseregulation, gehemmter Insulinsekretion und reduzierter Insulinempfindlichkeit in Leber, Skelettmuskulatur und Fettgewebezeigten, liefern Informationen über mögliche biologische Mechanismen.

So könnten insbesondere Schlafstörungen und Stressreaktionen den Zusammenhang zwischen Lärm und der Entstehung oder Verschlechterung von Diabetes erklären. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[15.05.2015, 20:22:48]
Michel Voss 
Hier wird von den Haupt-Ursachen abgelenkt.
Schon 5 % mehr Fleisch & Eiweiß erhöhen das Risiko nachweislich (prospektives 12-Jahres-follow-up, 27.140 Teilnehmer): http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=8860022&fileId=S0007114512003017 Ein um 8-11 % erhöhtes RELATIVES Risiko kann aber unbedeutend sein, wenn das absolute Risiko niedrig ist. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »

Mikroben – Heimliche Heiler

Jede zweite Zelle in und auf uns gehört einer Mikrobe. Durch die erfolgreiche Behandlung mit fäkalen Mikrobiota, etwa bei Autismus, hat die Mikrobiomforschung an Fahrt gewonnen. mehr »

Junge Besucher waren "Verjüngerungskur für DGIM"

Die "Ärzte Zeitung" hat den letzten DGIM-Kongresstag mit der Kamera begleitet. Tagungspräsident Sieber hat uns dabei Rede und Antwort gestanden - und erzählt, was ihn in den Tagen begeistert hat. mehr »