Ärzte Zeitung, 15.04.2016

Diabetesrisiko einschätzen

Zeig her die Taille

Wie groß das Diabetesrisiko ist, lässt sich am Taillenumfang besser ablesen als am BMI oder am Gewicht, zeigen aktuelle Studien. Diese Grenzwerte sollten Ärzte im Blick behalten.

Von Robert Bublak

Zeig her die Taille

Ärzte sollten auf den Taillenumfang ihrer Patienten achten, um das Diabetesrisiko besser einschätzen zu können.

© Africa Studio/Fotolia.com

HALLE. Den Zusammenhang zwischen anthropometrischen Markern und der Inzidenz von Diabetes Typ 2 haben Forscher um die Epidemiologin Saskia Hartwig von der Universität Halle untersucht (BMJ Open 2016; 6: e009266).

Dafür poolten sie die Daten von vier deutschen Longitudinalstudien (CARLA, SHIP, RECALL und KORA). Zudem nutzten sie die Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS). Demzufolge erhöht sich für Frauen die Diabetesinzidenz um 97 Prozent, wenn der Taillenumfang um eine Standardabweichung (12,4 cm) zunimmt.

Risikoerhöhung um 69 Prozent

Die Gewichtszunahme schlägt mit einer Risikoerhöhung von 69 Prozent je Standardabweichung (13,2 kg) zu Buche. Ähnlich bei den Männern: Pro Standardabweichung des Taillenumfangs (10,6 cm) geht die Diabetesinzidenz um 81 Prozent nach oben, beim Gewicht beträgt die Inzidenzzunahme je zusätzlicher Standardabweichung (13,6 kg) 66 Prozent.

Gut als Marker der erhöhten Inzidenz zu gebrauchen war auch das Verhältnis Taillenumfang / Körpergröße. Je Standardabweichung (+0,08) erhöhte sich die Inzidenz um 93 (Frauen) und 81 Prozent (Männer).

Zwischen den Markern des Bauchfetts wie Taillenumfang und Taillenumfang/Körpergröße bestehen laut den Erkenntnissen von Hartwig und Kollegen generell stärkere Assoziationen zum Typ-2-Diabetes, als sie beim Gewicht und beim Body-Mass-Index festzustellen sind.

Verhätlnis von Hüfte zu Taille

Eine Ausnahme bildet offenbar das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang. In der DEGS-Studie bestand zwar für diese Messgröße bei den Männern die stärkste Assoziation zur Diabetesinzidenz. In einer Metaanalyse von DEGS und den anderen Untersuchungen erwiesen sich aber erneut Taillenumfang und das Verhältnis Taillenumfang/Körpergröße als die stärksten Parameter.

Die geringere Aussagekraft des Taillen-/Hüft-Verhältnisses führen die Forscher darauf zurück, dass hier der Hüftumfang einfließt, der durch eine Reihe von anatomischen Gegebenheiten, wie Muskelmasse, Fettgewebe und Knochenbau bestimmt wird.

Hingegen gibt der Taillenumfang an sich den Zustand der Bauchorgane respektive des Abdominalfetts wieder.

Obergrenzen für Bauchumfang beachten

Daher sei der Umfang der Taille ein besserer Surrogatmarker für das endokrin aktive, diabetesrelevante viszerale Fettgewebe. "Allgemeinmediziner, die das Diabetesrisiko abschätzen wollen, sollten genau auf die Verteilung des Körperfetts ihrer Patienten achten", so die Autoren.

Obwohl bekannt sei, wie wichtig der Bauchumfang sei, werde in der klinischen Praxis nicht oft zum Maßband gegriffen.

Folgt man einschlägigen Tabellen, liegt die Obergrenze des normalen Bauchumfangs für Frauen bei 80 cm und für Männer bei 94 cm. Die Schallmauer zum deutlich erhöhten Risiko durchbrechen Frauen spätestens bei 88 cm und Männer bei 102 cm.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »