Ärzte Zeitung, 22.04.2016

Diabetes

Vermerk Parodontitis gehört in Diabetespass

Parodontitis ist ein Risikofaktor bei Diabetes und fördert Folgekomplikationen. Diabetologen und Zahnärzte sollten kooperieren.

UNTERSCHLEISSHEIM. Diabetes ist ein wichtiger Risikofaktor für Parodontitis. Je schlechter die Diabeteseinstellung, desto höher ist dabei das Risiko für Zahnverluste, wie Professor Thomas Kocher von der Universitätszahnklinik in Greifswald bei der Veranstaltung "Diabetologie grenzenlos" berichtet hat.

Schlecht eingestellte Diabetiker verlieren dabei doppelt so schnell ihre Zahnhaltefunktion und Zähne wie Menschen ohne, oder mit gut eingestelltem Diabetes.

Es ist ein Teufelskreis: Diabetes begünstigt Parodontitis, Parodontitis erschwert wiederum die glykämische Kontrolle. Ein wesentlicher Teil der Parodontaltherapie ist daher eine gute Einstellung des Blutzuckers.

"Parodontitis sollte in den Diabetespass aufgenommen werden", so Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Klinikum München-Bogenhausen bei der Veranstaltung. Zahnärzte und Diabetologen sollten einen interdisziplinären Untersuchungsalgorithmus zur Prävention und Therapie etablieren.

Wichtig sei, dass sich der Diabetologe für den Zahnstatus und der Zahnarzt für den Blutzucker interessiere. Zahnärzte könnten bei Parodontitis auch ein Diabetes-Screening erwägen. Wichtig seien eine frühe Diagnose und Parodontitis-Therapie.

"Bei Typ-2-Diabetikern kann eine Parodontitisbehandlung zur Stoffwechseleinstellung beitragen", so Kocher. So sei in der SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) bei Verbesserung des Parodontalstaus der HbA1c um etwa 0,4 Prozentpunkte gesunken.

Präventiv wirkt eine gute Mundhygiene sowie ein gesunder Lebensstil ohne Rauchen und mit wenig Alkohol. Therapiestandard bei Parodontitis ist das Scaling, also das Entfernen von Plaques an den Zähnen. Eine antibiotische Begleittherapie sei nicht erforderlich, so Kocher. (sti)

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