Ärzte Zeitung, 06.05.2016
 

Diabetes

Breite Klaviatur der Therapieoptionen nutzen

Der DPP-4-Hemmer Sitagliptin ist als Add-on oder als Fixkombi mit Metformin eine gute Option bei Diabetes-Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.

Von Dagmar Jäger-Becker

MANNHEIM. Für die individualisierte Behandlung des heterogenen Typ-2-Diabetes steht eine große Auswahl an Antidiabetika für Patienten in allen Diabetesphasen zur Verfügung. Der DPP-4-Hemmer Sitagliptin adressiert mehrere pathologische Mechanismen der Erkrankung und ist eine gute Option für ein breites Patientenspektrum, erklärte Dr. Andreas Lueg vom Diabeteszentrum L1 in Hameln beim Internistenkongress.

Am Fall eines langjährigen, adipösen, 63-jährigen Typ-2-Diabetikers mit schlecht eingestelltem Blutzucker, unregelmäßiger Einnahme von Metformin und Widerstand gegen Lebensstilveränderungen diskutierte Lueg die Möglichkeiten einer Therapieeskalation nach Metformin.

Der vorgestellte Patient brachte erst nach einem Myokardinfarkt die Disziplin auf, sein Gewicht um 6 kg zu reduzieren und regelmäßig seine Medikamente einzunehmen. Außer einer koronaren Herzerkrankung, die in der bisherigen Therapie nicht berücksichtigt worden war, hatte der Patient auch mikrovaskuläre Spätschäden (Nephropathie, Neuropathie) sowie eine diabetische Dyslipidämie entwickelt. Durch eine frühzeitige Reduktion des HbA1c-Wertes hätten die mikrovaskulären Spätschäden verhindert werden können, so Lueg bei einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung.

Als relevante Möglichkeit einer Add-on-Therapie zu Metformin sieht Lueg einen DPP-4 (Dipeptidylpeptidase-4)-Hemmer wie Sitagliptin, der die Konzentration der aktiven Inkretinhormone erhöht, damit die Blutzuckerkontrolle verbessert und zudem gewichtsneutral wirkt und keine Hypoglykämien verursacht.

Trotz der kardiovaskulären Vorerkrankung des Patienten sei Sitagliptin (Xelevia®) als Add-on oder Sitagliptin als Fixkombination mit Metformin (Velmetia®) eine gute Wahl, so Lueg. Wie eine große, Placebo-kontrollierte kardiovaskuläre Sicherheitsstudie bei mehr als 14.000 Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung gezeigt hat (TECOS-Studie, NEJM 2015, 373: 232-242), führte Sitagliptin zusätzlich zu einer bestehenden antidiabetischen Standardtherapie weder zu einem Anstieg des Risikos für schwere kardiovaskuläre Komplikationen noch zu vermehrten Klinikeinweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz oder anderen unerwünschten Ereignissen.

Bei Diabetikern mit Nierenfunktionseinschränkung sei Sitagliptin eine der wenigen verbleibenden Therapieoptionen, betonte Lueg. In einer Studie über 54 Wochen mit Typ-2-Diabetikern mit mäßiger bis schwerer Niereninsuffizienz senkte das inkretinbasierte Antidiabetikum den HbA1c-Wert ebenso gut wie ein Sulfonylharnstoff, wobei im Vergleich weniger Hypoglykämien auftraten und es zudem zu einem Gewichtsverlust kam.

Dass außerdem die Blutdruck- und Lipidkontrolle wichtige Bausteine zur Risikoreduktion sind, machte Professor Klaus Bonaventura von der Ernst von Bergmann Klinik für Kardiologie und Angiologie in Potsdam deutlich. Alle Risikofaktoren müssten behandelt werden. Bei der Blutdruckkontrolle liege der RR-Zielwert < 140 / 85 mmHg, das Ziel-LDL-Cholesterin liege bei den Hochrisikopatienten < 70 mg / dl. Studiendaten sprechen zudem für den Nutzen einer verlängerten dualen Thrombozytenaggregationshemmung nach einem Myokardinfarkt.

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