Ärzte Zeitung online, 06.05.2016

Herzkranke Diabetiker

"Mangelnde Bereitschaft für Therapien"

Wirksame Therapien gegen das hohe HerztodRisiko von Diabetikern kommen kaum an, kritisiert die Stiftung DHD.

MANNHEIM. Erkenntnisse zum hohen Herzkreislauf-Sterberisiko bei Diabetes und zur besseren Prognose durch Therapie haben Patienten kaum Vorteile gebracht, kritisiert die Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" (DHD) in einer Mitteilung.

Es sei zu hoffen, dass Betroffene in die Hände von Ärzten geraten, die richtig entscheiden.

Spätestens bei Herzinsuffizienz wird klar, dass das, was im Herz bei Diabetes passiert, noch nicht hinreichend geklärt ist, so die DHD.

Nur erhöhter Blutzucker und Koronarsklerose lieferten keine plausible Erklärung für das hohe Risiko. Die Sterberate von Diabetikern mit Herzinsuffizienz ist hoch - auch mit normaler Koronarperfusion.

Sie haben mit besserer Ejektionsfraktion (EF > 35%) das gleiche Risiko für plötzlichen Herztod wie Nicht-Diabetiker mit schlechter EF (< 35%). Die Mortalität steigt, wenn die linksventrikuläre EF (LVEF ≤ 35%) reduziert ist. Erhöhte elektrische Instabilität bei Diabetes könnte eine Rolle spielen.

"Es muss als Weck- und Warnruf verstanden werden, wenn Kardiologen wie PD Carsten Israel zu Defiziten in der Behandlung Stellung nehmen", so Professor Diethelm Tschöpe von der Stiftung DHD beim DGIM-Kongress. Israel vermutet, dass herzkranke Diabetiker trotz Indikation mit elektrischen Devices nicht ausreichend versorgt sind (Herz 2016; 41: 193).

Genau diese Patienten würden von ICD (implantierbarem Kardioverter-Defibrillator) oder CRT-D (kardialer Resynchronisationstherapie mit Defibrillator) profitieren.

Gut überlegt sollte der Einsatz antidiabetischer Substanzen sein: "Möglichst keine Medikamente, die proarrhythmisch wirken. Und Insulin nur, wenn es klinisch begründet werden kann", so Tschöpe.

Israel mahnt zudem an: "Wir haben heute fantastische Möglichkeiten, dem Patienten im Anflug von Stenose einen Stent zu verpassen. Wir können Ischämie behandeln, verfügen über Antiplatelet-Therapie und neue Antikoagulanzien, aber beim Diabetes kommt das alles nicht an. Obwohl das Potenzial, den Diabetikern das Leben zu retten, besonders hoch ist." (eb/eis)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Resolution gegen DSGVO-Verunsicherung und Abmahn-Angst

Nach einer ersten Abmahnwelle in Bremen wächst bei Ärzten die Verunsicherung wegen der Datenschutzgrundverordnung. 60 Verbände und die KBV haben darauf nun reagiert. mehr »

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

In den neuen S3-Leitlinien zu ADHS wird die medikamentöse Therapie bei mittelschweren Symptomen gestärkt. Experten betonen aber, dass die Arzneien nur ein Teil eines umfassenden Therapiekonzepts sein dürfen. mehr »