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Ärzte Zeitung, 22.12.2016

Blutzucker messen

Zum Pieks gibt es jetzt Alternativen

Sensorgestütztes Zuckermessen könnte bei Risikopatienten schon bald Standard werden. Der Stoffwechsel lässt sich besser einstellen und Fingerstechen entfällt weitgehend.

Von Wolfgang Geissel

Zum Pieks gibt es jetzt Alternativen

Blutzuckermessgeräte haben vor über 30 Jahren die Insulintherapie revolutioniert. Jetzt drängen Sensor-gestützte Messsysteme auf den Markt.

© chubphong / fotolia.com

BERLIN. Mit kontinuierlichen Zuckermessungen wird sich der Stoffwechsel von Diabetikern mit Insulintherapie noch einmal deutlich verbessern lassen, betont Professor Thomas Danne vom Kinder- und Jugendkrankenhaus "Auf der Bult" in Hannover.

So kann mit Sensor-gestützten Geräten zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) oder zur Flash-Glukosemessung (FGM mit FreeStyle Libre) die tägliche Zuckerkurve eines Patienten viel engmaschiger überwacht und dadurch die Therapie präzisiert werden. Anstieg oder Abflauen des Zuckerspiegels lässt sich anders als bei einzeln gemessenen Werte erkennen, und es kann darauf reagiert werden.

Beim Branchentreff Diabetes der Diabetes-Fortbildungsgesellschaft Cognomed in Berlin nannte Danne ein Beispiel: Der Patient misst vor dem "Tatort"-Krimi einen Wert von 108 mg/dl. Wenn er weiß, dass seine BZ-Kurve langsam abflaut, dann braucht er sich nicht zu kümmern. Ist der Wert aber Teil eines starken Anstiegs der Kurve, sollte er etwas später mit Insulin gegensteuern.

Parameter "time in range"

Die Qualität der antidiabetischen Therapie eines Patienten wird nach Ansicht von Danne künftig nicht mehr nach den HbA1c-Werten beurteilt. Wichtiger werde nun der Parameter "time in range", das heißt, der Anteil der Zeit, in dem die Zuckerkurve des Patienten in einem physiologischen Zielkorridor verläuft.

Und hier gebe es auch bei Diabetikern mit akzeptablen HbA1c-Werten häufig starke Abweichungen.

Eine besonders gleichmäßige Kurve wird bisher zum Beispiel mit einer Insulinpumpe erreicht. Und dass das den Patienten nützt, lasse sich aus einer aktuellen schwedischen Registerstudie ableiten.

Daten von über 18.000 Diabetikern

Die Analyse der Daten von über 18.000 Diabetikern mit Insulintherapie ergab: Binnen knapp sieben Jahren hatten Patienten mit Insulinpumpe im Vergleich zu Patienten, die sich Insulin spritzten, insgesamt ein um 29 Prozent geringeres Sterberisiko und ein um 44 Prozent geringeres Risiko für tödliche kardiovaskuläre Ereignisse (BMJ 2015; 350: h3234).

Letztlich fällt auch bei CGM und besonders bei FGM das häufige tägliche Stechen in die Fingerkuppe zur Blutgewinnung weitgehend weg. Wer sieben Mal am Tag den Blutzucker misst, kommt dabei im Jahr auf 2555 Verletzungen. Das ist vor allem bei Kindern schwer umzusetzen.

Das Fazit des Pädiaters Danne: "Blutzucker messen brauchen wir bald nicht mehr, angesichts von Alternativen werden die Patienten mit den Füßen abstimmen."

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