Ärzte Zeitung online, 27.02.2017

Diabetes-Mausmodell

Strenge Diät fördert Regeneration von Pankreaszellen

Eine strenge, fastenähnliche Diät wirkt sich positiv auf die Pankreaszell-Expression aus. Das könnte letztlich auch dazu führen, dass sich Insulinsekretion und Glukosehomöostase bei Diabetikern regenerieren.

Die für die Studie genutzte Diät enthält kaum Kalorien, Eiweiße und Zucker, dafür viel ungesättigte Fettsäuren.
© Kaarsten /

Die für die Studie genutzte Diät enthält kaum Kalorien, Eiweiße und Zucker, dafür viel ungesättigte Fettsäuren.

© Kaarsten / Fotolia

LOS ANGELES. Aus ersten klinischen Studien sowie Erfahrungen nach einer bariatrischen Op gibt es bereits Hinweise, dass sich durch eine strenge Diät eine Diabetes-Erkrankung teilweise regenerieren lässt. US-Forscher haben nun in einem Maus-Modell konkret die zellulären Auswirkungen durch eine spezielle viertägige fastenähnliche Diät (fasting-mimicking diet, FMD) untersucht. Die Diät enthält kaum Kalorien, Eiweiße und Zucker, dafür viel ungesättigte Fettsäuren.

Den Ergebnissen zufolge, die jüngst in der Fachzeitschrift "Cell" (http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2017.01.040) publiziert wurden, wird unter der Diät schrittweise die Expression verschiedener Gene induziert, die zur Bildung insulinproduzierender Zellen führen – ähnlich denen bei der Pankreasentwicklung. Im Mausmodell für Typ-1- wie auch Typ-2-Diabetes ließen sich so die Insulinsekretion und Glukosehomöostase regenerieren. Die Forscher fanden auch Anzeichen, dass sich Entzündungsparameter unter der Diät reduzieren und Zytokine und andere Proteine günstig verändern, die für die Regeneration der Insulinsekretion relevant sind.

Professor Susanne Klaus, Leiterin der Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels, am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke wird auf der Internetplattform "science media center" zu dieser Publikation zitiert: "Diese Studie zeigt, dass in verschiedenen diabetischen Mausmodellen Zyklen einer speziellen fasten-imitierenden Diät die Regeneration von insulinproduzierenden Beta-Zellen im Pankreas stimulieren konnten, anscheinend durch eine ‚Umprogrammierung‘ von endokrinen Pankreaszellen."

Das Interessante daran sei, dass Pankreaszellen bei bereits diabetischen Mäusen noch in der Lage gewesen seien, wieder insulinproduzierende Zellen zu bilden, so Klaus. "Das heißt, es handelt sich nicht einfach um eine Verzögerung oder Verhinderung der Diabetesentwicklung durch die Diät." Allerdings seien dafür mehrere Zyklen von mehrtägiger FMD in Abwechslung mit normaler Fütterung notwendig gewesen, räumt die Wissenschaftlerin ein. (run)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Ausreichend Folsäure schützt Hypertoniker vor Schlaganfall

Bestimmte Hypertoniker sollten auf eine gute Folsäureversorgung achten. Dadurch können sie ihr Schlaganfallrisiko deutlich senken. mehr »

Feinsinnige Geister und Antisemiten

Ein neues Buch beleuchtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin während des Nationalsozialismus. Am Fallbeispiel Emil von Bergmann erkennen Leser, wie zwiegespalten die DGIM-Mitglieder waren. mehr »

Saunieren schützt vor Schlaganfall

Möglicherweise beugt häufiges Saunieren Hirninfarkten vor. In einer finnischen Studie war die Schlaganfallrate bei Saunafans um 60 Prozent reduziert - dafür mussten Saunagänger aber einen Faktor beherzigen. mehr »