Ärzte Zeitung online, 06.03.2017
 

Fußschäden

Spezialpflaster zur Neuropathie-Früherkennung

In Deutschland wären viele Amputationen bei Diabetikern vermeidbar. Es hapert vor allem auch an der Früherkennung von Neuropathie. Ein Indikator-Pflaster vereinfacht die Diagnostik.

Von Anne Bäurle

Spezialpflaster zur Neuropathie-Früherkennung

in Farbumschlag von Blau nach Pink zeigt eine normale Schweißsekretion am Fuß an. Bleibt das Infikator-Pflaster blau, kann das ein Zeichen einer diabetischen peripheren Neuropathie sein.

© Sanofi

FRANKFURT / MAIN. Pro Jahr werden in Deutschland 60.000 Fußamputationen durchgeführt, 40.000 Amputationen sind dabei die Folge einer Diabetes-Erkrankung, schätzt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Dabei könnte mit einem einfachen Pflaster eine diabetische periphere Neuropathie frühzeitig entdeckt und damit einer Fußamputation vorgebeugt werden, betonte Dr. Stephan Kress, Oberarzt der Medizinischen Klinik I vom Vinzentius-Krankenhaus Landau.

Fußamputationen

Etwa 4000 Amputationen infolge einer Diabetes-Erkrankung werden pro Jahr in Deutschland vorgenommen, schätzt die Deutsche Diabetes Gesellschaft

Die Entwicklung einer Neuropathie ist ja einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines diabetischen Fußulkus und hat deshalb bei der Primärprävention eine sehr hohe Bedeutung. Mit dem einfach anzuwendenden Indikator-Pflaster Neuropad® könnten in Zukunft die Primärprävention deutlich verbessert werden, sagte Kress auf einer vom Unternehmen Sanofi unterstützten Veranstaltung.

"Neuropad® wird in der Arztpraxis oder zu Hause auf eine möglichst Hornhaut-freie Stelle unter den Fuß geklebt", erklärte Kress. Innerhalb weniger Minuten zeige ein Farbumschlag an, ob die Schweißsekretion gestört ist – ein Zeichen dafür, dass kleine autonome Nervenfasern bereits geschädigt sein könnten.

"Die Stärke von Neuropad®ist, dass frühe Formen der diabetischen Neuropathien erkannt werden und damit eine Primärprävention möglich ist. Das ist eine Chance, die wir nutzen sollten", meinte Kress im Hinblick auf die im gesamteuropäischen Vergleich hohe Amputationsrate in Deutschland. Bei großen peripheren Nervenfasern könne die Diagnose einer frühen diabetischen Neuropathie dagegen oft erst spät gestellt werden.

Die Sensitivität des Indikator-Pflasters liege bei 86 Prozent, die Spezifität bei 56 bis 65 Prozent. "Wegen dieser vergleichsweise niedrigen Spezifität ist daher in jedem Fall für eine Bestätigung des Verdachts eine weiterführende Untersuchung nötig", bemerkte Kress. Nichtsdestotrotz sei das Pflaster ein einfaches und kostengünstiges Screening-Instrument für eine frühe Erkennung von Neuropathien: "Die hohe Sensitivität bestätigt den Wert als Screening-Instrument", betonte Kress.

 Ein großer Vorteil von Neuropad® sei zudem, dass das Pflaster – anders als bei den Standarddiagnose-Instrumenten wie dem Test des Vibrationsempfindens oder dem Mikrofilament – ohne die Mitarbeit des Patienten Auskunft über dessen Zustand gebe. "Das ist ganz wichtig bei Patienten mit eingeschränkter kognitiver Leistungsfähigkeit wie etwa Demenzpatienten", sagte Kress.

Auch sei das Nachweis-Pflaster der einzige objektive Test für das Erkennen einer Neuropathie, den der Patienten auch als Laie selbst durchführen könne. Das Indikator-Pflaster werde daher auch in den DDG-Leitlinien als Untersuchungsmethode zur Diagnose der autonomen diabetischen Neuropathie aufgeführt, von den Krankenkassen aber derzeit im Allgemeinen nicht übernommen. Kress empfahl, den Test bei Hochrisikopatienten einmal im Jahr zu wiederholen.

Lesen Sie dazu auch:
Diabetes-Experte: Kinder und Eltern profitieren vom Screening

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