Ärzte Zeitung online, 15.05.2017
 

Diabetes

Therapie zügig intensivieren!

Bei Diabetikern sind Ärzte auf deren lebenslange aktive Mitarbeit angewiesen. Sonst klappt's nicht richtig mit der Therapie. Große Bedeutung haben hier gute Schulungen.

Von Michael Hubert

Therapie zügig intensivieren!

BZ-Messung: Eine patientenzentrierte Diabetes-Schulung bessert die Stoffwechsellage – das belegt auch eine Studie.

© Anetta Romanenko / fotolia.com

MANNHEIM. Essenziell bei der Diabetes-Therapie seien Schulungen der Patienten, betonte Dr. Andreas Lueg. "Warum etwa geht der Blutdruck nach einer Schulung runter?", fragte der Internist und Diabetologe aus Hameln beim DGIM-Kongress. "Die Patienten nehmen danach ihre Tabletten." Gerade bei Diabetikern seien Ärzte auf die lebenslange aktive Mitarbeit der Patienten angewiesen.

So habe eine Studie ergeben, dass eine patientenzentrierte Schulung die Stoffwechsellage bessert (Dtsch Arztebl 2006; 103(6): A-341). Der HbA1c-Wert sei von Baseline 8,6 auf 7,1 nach sechs und auch noch nach zwölf Monaten gesunken. Dieser Effekt der Schulung halte sogar bis zu zwei Jahre an, so Lueg bei der von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung.

Auf Ernährungstyp achten

Der Arzt müsse zudem im Auge behalten, welcher Ernährungstyp der Patient ist. "Kleine Veränderungen bewirken mehr", sagte Lueg. Radikale Veränderungen liefen meist ins Leere. Dabei hänge die Gewichtsabnahme weniger von der Art der Diät ab, sondern primär von der Therapietreue. "Wer länger durchhält, nimmt mehr ab", fasste Lueg eine Studie zusammen (JAMA 2007; 297(9): 969-977).

"Vielen Patienten ist nicht klar, welchen Einfluss die Zubereitungsart auf den Kaloriengehalt hat", so Lueg. So haben 200 g gekochte Kartoffeln 140 kcal, 200 g Bratkartoffeln mit 320 kcal aber schon mehr als doppelt so viel. Auch die Zahl der Mahlzeiten hat einen großen Einfluss.

Oft heißt es noch immer, viele kleine Mahlzeiten seien besser. Lueg zitierte hierzu eine Studie mit 54 Typ-2-Diabetikern, bei der zwei Mahlzeiten mit sechs Mahlzeiten pro Tag verglichen wurden – jeweils mit einem Defizit von 500 kcal / d. In der Gruppe mit zwei Mahlzeiten ging das Gewicht stärker zurück, Nüchtern-Blutzucker und -glukagon waren besser.

Vor allem aber hatten die Teilnehmer mit zwei Mahlzeiten weniger Hunger und auch einen geringeren Wert im Depressionsscore (Diabetologia 2014; 57: 1552-1560). Dass eine Gewichtsreduktion am besten durch Kalorienreduktion plus Bewegung zu erreichen ist, muss nicht extra betont werden.

Entscheidend: Individuelle Therapie

Die medikamentöse Therapie – nach Metformin – müsse ebenfalls individuell erfolgen, so Lueg. Zwei Kriterien sind dem Diabetologen dabei wichtig: Hypoglykämien müssten vermieden werden, ebenso eine Gewichtszunahme. DPP-4-Hemmer seien gewichtsneutral, SGLT-2-Hemmer und GLP-1-Analoga gewichtsreduzierend, wobei letztere subkutan appliziert werden und nicht per oral.

Bei SGLT-2-Hemmern müsse die berufliche Situation des Patienten bedacht werden. Denn pro Tag müsse man zweimal häufiger auf die Toilette. Das spreche bei der vorgestellten Kasuistik eines Busfahrers für einen DPP-4-Hemmer zusätzlich zum Metformin. Diese haben im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen eine deutlich längere Wirksamkeit, so Lueg.

Das habe etwa eine Studie ergeben, in der eine Patientengruppe einen Sulfonylharnstoff (SH) plus Metformin erhalten hat, die andere Metformin plus den DPP-4-Hemmer Sitagliptin (vom Unternehmen als Xelevia® angeboten oder als Fixkombi mit Metformin als Velmetia®). In den ersten 18 Monaten sank der HbA1c-Wert in beiden Gruppen, stieg anschließend in der SH-Gruppe, während er unter dem DPP-4-Hemmer weiter zurückging und dann über 60 Monate stabil blieb (Pharmacol Res. 2015; 100: 127-134).

Keine Therapieverzögerung!

Die Therapie-Eskalation bei Typ-2-Diabetikern werde häufig unnötig verzögert, so Lueg. "Bei Krebs warten wir doch auch nicht, warum bei Diabetes?" Eine Therapieverzögerung von ein bis zwei Jahren bedeute 30 bis 50 Prozent mehr kardiovaskuläre Ereignisse (Cardiovascular Diabetology 2015; 14: 100), warnte Lueg.

nd im Follow-up der STENO-2-Studie waren nach 13 Jahren in der Gruppe mit konventioneller Therapie 50 Prozent gestorben, unter intensiver Therapie aber nur 30 Prozent (N Engl J Med 2008; 358: 580-591).

Infos zum 360°-Kommunikationskonzept TheraKey® von Berlin-Chemie unter: www.therakey.info

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