Ärzte Zeitung online, 16.05.2017

Diabetes Typ 2

Im Fokus – Reduktion des Gesamtrisikos

Bei Typ-2-Diabetes ist kardiometabolisches Management wichtig. GLP1-Rezeptor-Agonisten wirken positiv auf den Metabolismus, vermeiden Gewichtszunahme und senken das Risiko von Hypoglykämien sowie den Blutdruck.

MANNHEIM. Nach Metaanalysen zur langfristigen Diabetes-Therapie reduziert bereits eine moderate Senkung von Blutdruck und LDL-Cholesterin das kardiovaskuläre Risiko wesentlich stärker als eine strenge Einstellung des HbA1c-Werts. Zugleich sind schon gelegentliche Hypoglykämien nach vielen Untersuchungen mit erheblich erhöhter kardiovaskulärer und Gesamtmortalität assoziiert. "Wir müssen weg von der Zuckerologie hin zum kardiometabolischen Management, um das Gesamtrisiko zu reduzieren", forderte daher der niedergelassene Diabetologe Professor Stephan Jacob aus Villingen-Schwenningen bei einer von dem Unternehmen NovoNordisk unterstützten Veranstaltung in Mannheim.

Integrativer Ansatz

Realisieren lässt sich dieser integrative Ansatz durch die Wahl des blutzuckersenkenden Medikamentes, ergänzte der Kardiologe Professor Christian Schneider von der PAN Klinik Köln. In der kardiovaskulären Outcome-Studie LEADER reduzierte der GLP-1-Rezeptor-Agonist Liraglutid (Victoza®) zusätzlich zur Standardtherapie bei Patienten mit Typ 2-Diabetes und hohem kardiovaskulären Risiko bei guter Verträglichkeit das Eintreten des primären kombinierten Endpunkts (kardiovaskulärer Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder nicht-tödlicher Schlaganfall) im Vergleich zur Standardtherapie plus Placebo um 13 Prozent (N Engl J Med 2016; 375: 311-322). Davon profitierten insbesondere Hochrisiko-Patienten, betonte Schneider bei der Veranstaltung in Mannheim.

Zugleich erwies sich in der LEADER-Studie Liraglutid als bisher einziger GLP-1-Rezeptor-Agonist, der die Gesamtsterblichkeit senkte, nämlich um 15 Prozent (HR=0,85, 95 Prozent KI (0,74-0,97) p=0,02). Als mögliche klinische Erklärung hierfür sieht Schneider eine deutliche Verringerung des Hypoglykämierisikos sowie einen besseren Erhalt der glomerulären Filtrationsrate, also der Nierenfunktion. Bestätigte Hypoglykämien waren unter Liraglutid-Therapie um 20 Prozent, schwere Hypoglykämien sogar um 31 Prozent seltener als in der Kontrollgruppe. (hae)

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