Ärzte Zeitung online, 13.06.2017
 

Diabetisches Fußsyndrom

Regelmäßige Kontrollen beugen Amputationen vor

Von Prof. Hellmut Mehnert

zur Galerie klicken

Vor allem ältere Patienten, Übergewichtige oder Patienten mit Gelenkbeschwerden brauchen für die Kontrolle einen Spiegel, so Professor Hellmut Mehnert.

© imago

Zur Selbstkontrolle müssen Patienten mit Diabetes unbedingt täglich ihre Füße inspizieren. Für die Prävention eines Diabetischen Fußsyndroms (DFS) sind dabei besonders Fußsohlen und Zehen nach Schwielen und möglichen Läsionen abzusuchen. Vor allem ältere Patienten, Übergewichtige oder Patienten mit Gelenkbeschwerden brauchen für die Kontrolle einen Spiegel.

Zur Prävention eines DFS ist Patienten einzuschärfen: Die Nägel sollte ein Fußpfleger schneiden und feilen, spitze Scheren und scharfe Bürsten sind bei der Pflege tabu. Die Füße sind zudem täglich mit laufwarmem Wasser zu waschen. Und Patienten dürfen keine zu engen Schuhe tragen (gilt besonders für Frauen). Strümpfe ohne Naht sind zu bevorzugen.

Bisher sind die Erkrankungsraten an DFS trotz aller Schulungen unbefriedigend bis desaströs. So hatten in einem Disease Management-Programm (DMP) der KV Nordrhein 4,2 Prozent der Diabetiker eine akute Fußläsion. Hochgerechnet auf Deutschland wären nach diesen Zahlen etwa 315.000 Patienten wegen Fußläsionen zu versorgen.

Risikofaktor Neuropathie

Wesentlich ist es, die periphere Nervenfunktion als Auslöser einer diabetischen Fußläsion abzuklären. Die Neuropathie ist der wichtigste DFS-Risikofaktor. Durch die nervale Schädigung haben viele Betroffene bei Verletzungen am Fuß keine Schmerzen mehr und sind sich sogar ausgeprägter Wunden nicht mehr bewusst. Mit schlimmen Folgen: So bitten einige Betroffene den Arzt sogar noch um eine Wundsalbe, wenn ihre Füße buchstäblich schon halb abgefault sind.

Gleichzeitig mit der Neuropathie verkürzen sich die Sehnen durch Hyperglykämie-bedingte Prozesse. Viele Diabetiker können daher die Hände nicht mehr flach aneinanderlegen. Weil auch die Achillessehnen kürzer werden, entsteht ein Spitzfuß. Die vordere Fußsohle wird so pathologisch belastet und es entstehen dort die typischen DFS-Ulzera. Auch die Sehnen an den Zehen verkürzen sich oft. Hier kann man chirurgisch mit dem Durchtrennen der Sehnen viel Gutes tun. Dem Spitzfuß können orthopädische Schuhmacher mit speziellen Einlagenentgegenwirken. Zur Orientierung werden dabei mit einer Pedografie die Hauptbelastungspunkte an der Fußsohle bestimmt.

Arterielle Verschlusskrankheit

Nicht selten wird das DFS durch neuroischämische Prozesse verursacht. Bei Verdacht ist eine zusätzliche periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) abzuklären. Zur Diagnostik kommt zunächst nach wie vor die Palpation der Fußpulse in Betracht, ergänzt durch die Bestimmung des Blutdrucks an den beiden Gefäßen der Fußknöchel. Mit der Dopplersonde kann man den Blutfluss hörbar machen. Ist der Blutdruck am Knöchel niedriger als am Oberarm, ist selbst bei beschwerdefreien Patienten die Gefäßerkrankung bewiesen.

Wegen des hohen Risikos müssen Ärzte gemäß den Leitlinien die Füße aller Diabetiker einmal jährlich kontrollieren, bei sensorische Neuropathie alle sechs Monate und bei zusätzlichen Zeichen einer PAVK oder auch bei zusätzlichen Fußdeformitäten alle ein bis drei Monate; Letzteres gilt auch bei einem frühen Ulkus.

Bei der Therapie müssen Spezialisten wie Diabetologen und Gefäßchirurgen eng mit Vertretern anderer Gesundheitsberufe wie Podologen, Wundassistenten und Orthopädie-Schuhtechnikern zusammenarbeiten. Grundprinzipien der Behandlung sind Druckentlastung, Wundsäuberung und stadiengerechte lokale Wundbehandlung sowie die Verbesserung der Durchblutung und die Therapie gegen bakterielle Infektionen. Bei Ischämien kann die Beseitigung von Stenosen weiterhelfen. Leider haben Diabetiker oft eine ausgeprägte Mediasklerose, die – im Gegensatz zu einer lokalen Stenose – die Operationsergebnisse verschlechtert.

[13.06.2017, 10:23:42]
Michael Traub 
ein spätes Dankeschön
1975 hatte ich die Ehre und das Vergnügen, von Herrn Prof. Mehnert am Krankenbett eines Patienten mit diabetischem Fußsyndrom beraten zu werden. Sein Anliegen gilt bis heute der optimalen Krankenbetreuung, und schon damals wies er auch auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung des DFS hin. Sein unermüdlicher Einsatz sei gepriesen, ein echter Dienst an den Kranken. Er hat sein Engagement auf mich als Hausarzt übertragen,
jedenfalls habe ich mich 'bemüht'.





 zum Beitrag »
[13.06.2017, 09:19:45]
Peter Peschel 
In Deutschland kaum beachtet...physikalische Therapie AIK/IPK zur Vermeidung von Amputationen
In Deutschland kaum beachtet aber sogar verordnungsfähig für zu Hause die alternative I P K / A I K Therapie mit Sauerstoff-Gabe ist eine physiotherapeutische Alternative zur Vermeidung von Amputationen und dazu sogar noch Leitliniegerecht...
IPK/AIK (Apparative Intermittierende Kompressionstherapie) steigert die Durchblutung und damit auch den Stoffwechsel, Impulse/Kompression helfen eben durch die nachgewiesene Durchblutungssteigerung und Lymphaktivität.
Die IPK/AIK (Intermittierende Pneumatische Kompressionstherapie) gem. S2 Leitlinie: Intermittierende pneumatische Kompression (IPK oder AIK)http://www.phlebology.de/Deutsche-Gesellschaft-fur-Phlebologie/leitlinie-intermittierende-pneumatische-kompression-ipk-oder-aik.htmlund z.B. auch die
S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) Version vom 18. März 2009 : http://www.phlebology.de/Deutsche-Gesellschaft-fur-Phlebologie/prophylaxe-der-venoesen-thromboembolie-vte.html
Der Einsatz von AV Impulse-Systeme kann Thrombo/Embolie- Komplikationen senken u. hilft auch bei pAVK. Diese Technik imitiert den Gehvorgang im Venenplexus des Fußes und hilft daher auch besonders bei immobilisierten Patienten mit erhöhtem Risiko.
Durch den zusätzlichen häuslichen Einsatz o.a. Geräte gibt es die Möglichkeit einer effektiven pAVK Therapie und einer TVT – Therapie / Thrombo–Embolieprophylaxe, schnellere Abschwellungen, wie auch eine verbesserte Wundheilung um bis zu ca.30% erzielen zu können. Die Anwendung von mechanischen Geräten zur intermittierenden Fuß/Hand-Impulskompression des Venenplexus , AV-Impulse-System , fördert die Durchblutung u. Lymphaktivität sowie den Zu-u. Abfluss von O2/CO2 u. metabolischen Stoffen, damit einhergehend auch eine Absenkung der genannten Komplikationsraten.
Die Geräte können dem Patienten verordnet werden, so dass er zu Hause u. in der Klinik damit arbeiten kann, ca. 4 Std/tgl. Eine Hilfsmittel-Nr. ist vorhanden und die anfallenden Kosten können somit von den Kassen übernommen werden u. belasten nicht das Heilmittelbudget der Praxis.
Der Einsatz ist auch in den IPB /AVK Leitlinien S2 Phlebologie 2007, benannt, wie auch in der neuen S3 Leitlinie von 2009 .
.Pitto et.al.Biomed Tech,2001 Hemodynamics-PneumaticFootCompression ;
O2-TopiCare: auch kann die Inhalative u./o. topischen O2-Gabe zur Unterstützung der Leukozyten Tätigkeit und der - Phagozitären NADH-linked-oxygenase-( Phox ) eingesetzt werden, wobei der Sauerstoff als Antibiotikum u. Regeneration Faktor wirkt. Bei einem Sauerstoffpartialdruck (pO2) von etwa 75 mm Hg arbeitet Phox nur noch mit halb-maximaler Geschwindigkeit. Bei einem pO2 von weniger als 40 mmHg verlieren die Leukozyten ihre Fähigkeit Bakterien abzutöten u. sowie multiple Wachstumsfaktoren u. Zytokine können sich nicht optimal entfalten , da hier große Mengen O2 zur Radikalenbildung (ROS)benötigt werden Alle Geräte können dem Patienten verordnet werden so dass er zu Hause u. in der Klinik damit arbeiten kann, ca. 4 Std/tgl. Eine Hilfsmittel-Nr.ist vorhanden und die anfallenden Kosten können somit von den Kassen übernommen werden u. belasten nicht das Heilmittelbudget der Praxis. Der Einsatz ist auch in den IPB /AVK Leitlinien Phlebologie 2004, benannt. Literatur : Pitto et.al.Biomed Tech,2001 Hemodynamics-PneumaticFootCompression ; Pitto et.al. Mechanicl Prophylaxe of Deep VT, Journ.of Bone a.Joint Surgery,2004; G.M.Ivanic et al. Die interm. Impulskompression zur Abschwellung u.Thromboseprophylaxe-Pilotstudie nach Hüft-TEP,Unfallchirug 2006 Intensivmedizin.Yamashita, et.al. 15,Blood Flow Velocity of the Feroral Vein with Foot Exercise Compared to Pneumatic Foot Compression Clinical Anästhesia , 2005 S.Beckert,A.Königsrainer,S.Coerper Die Physiologie der Wundheilung Therapeutische Umschau 2007 Heft 9 Weitere Literatur Info: http://www.oxycare-gmbh.de/literatur/krankheiten-literatur/literaturwunde. html

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »

Jamaika – Paritätische Finanzierung ist vom Tisch

Ein neues Sondierungspapier zeigt: Die potenziellen Jamaika-Partner suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Gesundheitspolitik. mehr »