Ärzte Zeitung online, 20.06.2017
 

Diabetes-Prävention

Abends besser Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index meiden!

Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index fördern bei Jugendlichen eine spätere Insulinresistenz und Fettleber.

Abends besser Kohlenhydrate mit hohem glykämischen Index meiden!

Vor allem am Abend gilt: Finger weg von großen Kohlenhydratportionen mit höherem glykämischem Index.

© frankoppermann / fotolia.com

PADERBORN. Jugendliche, die abends regelmäßig mehr Kohlenhydrate mit einem hohen glykämischen Index zu sich nehmen, haben im jungen Erwachsenenalter höhere Risikomarker für einen Typ-2-Diabetes. Zu dem Schluss kommt eine Studie der Universität Bonn, an der Professor Anette Buyken vom Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn als Initiatorin beteiligt ist.

"Die Spiegel vieler Hormone unterliegen einem 24-Stunden-Rhythmus, der durch die menschliche ,Innere Uhr‘ gesteuert wird. Zum Beispiel sind wir abends weniger insulinsensitiv, das heißt, unsere Stoffwechselantwort auf unsere Nahrung – vor allem Kohlenhydrate – ist abends geringer als morgens", wird Buyken in einer Mitteilung der Universität Paderborn zitiert. Während der Pubertät komme eine natürlicherweise verminderte Insulinsensitivität hinzu. Studien an Erwachsenen zeigen, dass der regelmäßige Verzehr von Kohlenhydraten, die den Blutzucker stark ansteigen lassen, also Kohlenhydrate, die einen hohen "glykämischen Index" (GI) haben, die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Daher wurde in der DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study) jetzt bei Jugendlichen untersucht, ob langfristig ein abendlich höherer Konsum von Kohlenhydraten mit höherem GI ungünstig für spätere Typ-2-Diabetes-Risikomarker ist (Nutrients 2017, 9(6), 591-607).

In die Studie eingeschlossen wurden 252 DONALD-Probanden, die während der Pubertät mehrfach ein 3-Tage-Wiege-Ernährungs-Protokoll geführt hatten und im jungen Erwachsenenalter erneut untersucht wurden. Die Analyse der Daten zeigte, dass Jugendliche, die im Alter von 9 bis 16 Jahren abends regelmäßig reichlich Kohlenhydrate mit höherem GI verzehrten, im jungen Erwachsenenalter (durchschnittliches Alter: 21 Jahre) insulinresistenter waren und einen höheren Fettleberindex (je höher der Index, desto eher liegt eine Fettleber vor) hatten als diejenigen, die abends moderate Mengen an Kohlenhydraten mit höherem GI verzehrten. "Interessant ist, dass sich beide Zusammenhänge für den abendlichen, aber nicht für den morgendlichen Verzehr zeigen", so Erstautorin Tanja Diederichs in der Mitteilung. "Für die langfristige Diabetesprävention ist es daher vermutlich entscheidend, abends auf große Kohlenhydratportionen mit höherem GI zu verzichten. Das bedeutet, Lebensmittel wie zum Beispiel Weißbrot, Instant-Kartoffelpüree oder klebrigen weißen Reis eher zu meiden",so Buyken.(eb)

[20.06.2017, 09:54:33]
Karl-Otmar Stenger 
Glykämischer Index und Fruktose
Auf die Einteilung der Lebensmittel nach dem Glykämischen Index (GI) sollte man zukünftig ganz verzichten. Allein schon die Tatsache, dass Fruktose einen GI von 20 hat, macht diese Art der Einteilung wertlos im Hinblick auf die Aspekte Insulin- und Leptin-Resistenz. Richtig ist, abends völlig auf die Nahrungszufuhr von Kohlenhydraten zu verzichten, damit im Körper morgens die Glykogen-Reserven erschöpft sind und er auf Fettverbrennung umschaltet; denn nur so bringt Frühsport etwas. zum Beitrag »
[20.06.2017, 07:21:21]
Steffen Jurisch 
Reduktionismus pur
Wie kann man, gerade bei Fragen der Ernährung und deren Auswirkung oder Beeinflussung der Gesundheit so reduktionistisch denken und Studien ansetzen? Diese Zusammenfassung, als auch die veröffentlichte Langfassung sagen nichts über die aufgezeichneten Ess- und Lebens-Gewohnheiten aus. Um Skeptikern vorzubeugen, es macht einen gewaltigen Unterschied ob ich nach der Abendmahlzeit z.B. mich auf die Couch lege um fern zu sehen oder vielleicht noch eine Runde jogge... also sagt diese Studie mal wieder nichts aus.  zum Beitrag »

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