Ärzte Zeitung online, 21.08.2017

PKV

Niedrigere Prämien für Diabetiker?

Immer mehr private Krankenversicherer setzen auf die digitalgestützte Versorgung ihrer diabetischen Kunden. Die erhobenen Daten wollen die Assekuranzen künftig auch für die Tarifkalkulation einsetzen.

Von Anna Gentrup

KÖLN. Die Versicherungskammer Bayern will Diabetikern den täglichen Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtern und den Datenaustausch zwischen Patienten und Ärzten verbessern. Dazu kooperiert der öffentliche Versicherer mit dem jungen digitalen Unternehmen Mysugr.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) der VKB, die Bayerische Beamtenkrankenkasse und die UKV Union Krankenversicherung, bieten ihren rund 6000 insulinpflichtigen Kunden eine entsprechende spezielle App an.

6000 insulinpflichtige Kunden stattet der PKV-Anbieter VKB mit einer App für das Diabetes-Management aus.

Die Mysugr-App lässt sich mit dem Blutzuckermessgerät "Accu Chek Guide" koppeln, das die Messwerte an die App übermittelt. Ein Rechner bestimmt den Insulinbedarf. Die App dokumentiert die Werte des Nutzers, sie lassen sich ausdrucken oder per E-Mail an den Hausarzt senden. Zudem schätzt das Programm den Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c.

Das Unternehmen Mysugr wurde 2012 in Wien von Diabetikern gegründet. Sie wollen den Diabetiker-Alltag mit digitalen Angeboten vereinfachen. Die App hat nach Angaben von Mysugr fünf Jahre nach dem Start mehr als eine Million Nutzer und ist in 52 Ländern und 13 Sprachen erhältlich. Im Juni 2017 hat Roche Mysugr komplett übernommen.

Pilotprojekt bei Axa

Auch andere PKV-Anbieter beschäftigen sich mit dem Thema Diabetes. Bei der Axa läuft ein Pilotprojekt, das Diabetiker telemedizinisch begleitet und berät. Der Versicherer Central hat ein Onlineportal aufgebaut, das sich an Typ 2-Diabetiker richtet. Auf der Plattform erhalten sie Informationen zu wichtigen Verhaltensregeln sowie Tipps zu gesunder Ernährung und Bewegung. Auch die Debeka bietet ein mobiles Diabetesmanagement für Typ 2-Diabetiker an.

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) entstehen den deutschen Sozialkassen durch Diabetes jährlich Kosten von rund 35 Milliarden Euro für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung.

Damit seien die Folgekosten vergleichbar mit denen des Rauchens. Die DDG kritisiert, Diabetiker würden beim Abschluss von Kranken-, Unfall-, Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen oft schlechter gestellt.

Sie könnten sich häufig wegen hoher Risikozuschläge nur gegen unverhältnismäßig hohe Prämien versichern, oder würden gar nicht von privaten Versicherern akzeptiert. Die Modelle und Erhebungen der Versicherer berücksichtigen die Ergebnisse der modernen Diabetestherapie nicht, kritisiert die DDG. Bislang sind die Diabetiker-Angebote der PKV als Serviceleistung konzipiert.

Die Versicherungsprämie sinkt durch die Nutzung der digitalen Funktionen nicht. Doch die Versicherer können aus den Diabetes-Daten lernen und die Risiken künftig passgenauer bewerten, meint auch der Versicherer-Verband GDV.

Aus der immensen und ständig wachsenden Datenmenge ließen sich Erkenntnisse ableiten. Gut eingestellte Diabetiker sind keine Risikogruppe mehr, das Risiko ist durchaus versicherbar, heißt es in einer GDV-Publikation aus dem vergangenen Jahr.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »