Ärzte Zeitung, 25.08.2017

Insulintherapie

Was motiviert Patienten?

Bei der Entscheidung für eine Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes kommt es besonders auf den Konsens zwischen Arzt und Patient an. Am Ende sollte eine Win-Win-Situation stehen. Dazu kann ein hoch konzentriertes prandiales Insulin als Motivationsfaktor beitragen.

Von Sarah Pampel

Was motiviert Patienten?

Blutzuckermessung; Entscheiden sich Arzt und Patient für eine Insulintherapie mangelt es trotzdem manchmal an Motivation.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

HAMBURG. Eine Insulinsubstitution bei Typ-2-Diabetes ist nötig, wenn das Blutzuckerziel für einen geschulten Patienten mit oralen Antidiabetika medizinisch und psychologisch nicht mehr erreichbar ist, sagte Privatdozent Matthias Frank, Chefarzt der Inneren Medizin am Diakonie Klinikum Neunkirchen.

Es sollte im Konsens ein für Patient und Arzt motivierendes Therapieziel gefunden werden. Für den Patienten stehe dabei die Reduktion von Ängsten, etwa vor Folgekomplikationen, die Lebensqualität, Sicherheit und das Vermeiden von Überforderung im Vordergrund.

"Es gibt keine starren Konzepte, sondern nur individuelle Lösungen."

Privatdozent Matthias Frank

Diakonie Klinikum Neunkirchen

Patienten erlebten hohe postprandiale Glukosewerte als gefährlich, gute Werte seien also beruhigend, so Frank bei einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung. Für den Arzt ist das Erreichen eines normnahen Blutzuckers (BZ) ohne Hypoglykämien beim Patienten die qualitative Bestätigung seiner Arbeit.

Diabetes auch mal vergessen

Die ideale Insulintherapie sei für den Patienten diejenige, die ihm die Beibehaltung seiner bisherigen Lebensgewohnheiten ermögliche, sagte Frank. Jede größere Veränderung sei für beide Seiten anstrengend. Welche Form der Insulintherapie gewählt werde, hänge vom Ausgang des 7-Punkte-BZ-Tagesprofils ab, das noch ohne Verhaltensänderungen erstellt werden sollte. Erst dann werde über deren Notwendigkeit diskutiert.

Wichtig als Motivationsfaktor: Für den Patienten müsse es möglich sein, den Diabetes auch mal zu vergessen. Der Start am Morgen mit normalen BZ-Werten erleichtere den Tag, oft klappe das mit der basal unterstützen oralen Therapie (BOT).

BOT plus bedeutet dann die Hinzunahme eines prandialen Insulins nach einer Mahlzeit, die man zusammen festlege. "Das muss nicht das Frühstück sein und kann auch zwei oder mehr Mahlzeiten betreffen", so der Internist. "Es gibt keine starren Konzepte, sondern nur individuelle Lösungen."

Eine supplementäre Insulintherapie (SIT) komme etwa beim Dawn-Phänomen infrage. Als das gefährlichste Therapieregime bezeichnete Frank die Mischinsulintherapie. Sie berge die größte Hypoglykämiegefahr, gegen die mit Kohlenhydraten angegessen werden müsse.

Sind größere Insulinmengen nötig, könne das laut Frank für Patienten demotivierend sein, nach dem Motto "Ich spritze so viel und mein Zucker ist trotzdem hoch". Steige die injizierte Menge von prandialem U100 Insulinanaloga über 20 Einheiten, hätten sie eine unklare Wirkdauer.

Fragebögen erkennen Probleme

Hier kommt hoch konzentriertes prandiales Insulin wie Liprolog® 200 im KwikPen ins Spiel, das seit 2015 auf dem Markt ist. Der enthaltene Wirkstoff Insulin lispro ist im Vergleich zur herkömmlichen Konzentration von 100 Einheiten / ml doppelt so hoch konzentriert, was eine Halbierung des Injektionsvolumens bedeutet.

Um eventuellen Problemen bei der Therapie auf der Spur zu bleiben, eignen sich etwa der ITAS-Fragebogen (Insulin Treatment Appraisal Scale) oder der PAID-Fragebogen (Problembereiche in der Diabetesbehandlung), die auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft heruntergeladen werden können (www.diabetes-psychologie.de).

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