Ärzte Zeitung online, 04.12.2017
 

Komplikationen

Jede zweite Depression bei Diabetes wird nicht erkannt

BERLIN. Trotz der hohen Zahl an Erkrankungen werde Depressionen bei Diabetikern viel zu selten diagnostiziert, kritisiert Professor Bernd Kulzer von der AG Diabetes und Psychologie der DDG. Bei Patienten sollte auf Warnzeichen geachtet werden. Die Hilfsangebote wurden verbessert: Patienten mit depressiven Stimmungen erhalten schnell einen Termin in der im April eingeführten psychotherapeutischen Sprechstunde, wurde bei einer Pressekonferenz der DDG berichtet. Jeder niedergelassene Psychotherapeut könne depressiv erkrankte Menschen mit Diabetes behandeln. Bei Komplikationen kann an speziell weitergebildete Psychotherapeuten vermittelt werden. (eis)

Liste von Screening Fragebögen und Liste von Therapeuten: www.diabetes-psychologie.de

[04.12.2017, 19:23:45]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Im Gegenteil! Klinisch manifeste Depressionen bzw. Pharmakotherapien führen zu Typ-2-Diabetes mellitus!
Es sind die Depressionen selbst, gar nicht so selten deren krankheitsspezifische Pharmakotherapie, die zu Fehlernährung, Passivität, bio-psycho-sozialem Rückzug, metabolischem Syndrom, Adipositas, Bewegungsmangel, Hypertonie, Arteriosklerose, Typ-2-Diabetes, KHK, Schlaganfall und zu allgemeiner/krankheitsspezifisch erhöhter Morbiditäts- bzw. Mortalitätslast oder Suizidalität führen.

Die etablierte Psychiatrie-Forschung weigert sich in diesem Zusammenhang im Gegensatz zu allen anderen therapeutischen Fachdisziplinen seit Jahrzehnten, harte Endpunktstudien mit allgemeiner und krankheitsspezifischer Morbidität-, Co-Morbidität bzw. Letalität vorzulegen und diese kritisch zu interpretieren.

Eine gut geführte haus- und fachärztliche Versorgung, Betreuung und Begleitung, insbesondere nach diabetologischen DMP-Standards, kann in vielen Fällen ein mögliches krankheitsspezifisches Abgleiten in eine reaktive Depression verhindern. Indem durch eine breite Palette oraler und parenteraler Antidiabetika erfolgreiche Bewältigungsstrategien („coping“), Teilhabeverbesserung in bio-psycho-sozial-sexueller Hinsicht, ein positives Lebensgefühl, eine Akzeptanz notwendiger flankierender Maßnahmen und eine weitgehende Depressions-Resistenz herbeigeführt werden können.

Die klassischen „endogenen Depressionen“ und viele ihrer Therapien sind dagegen aus meiner langjährigen hausärztlichen Praxis seit 1992 als diabetogene Hochrisiko-Faktoren einzuschätzen. Dass Typ-1- und Typ-2- Diabetes mellitus vice versa direkt oder krankheitsspezifisch Depressionen mit induzieren könnten, ist pathophysiologisch und nosologisch nicht zu erklären.

Ist das etwa wie mit dem Ammenmärchen aus dem vorigen Jahrhundert, wo man glaubte, wenn an einen Krebs erstmal „Luft“ dran kommt, ist die Tumorprogression nicht mehr aufzuhalten?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH )  zum Beitrag »

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